Bahn frei! Wie Blutgefäße und Nerven funktionieren

Die Länge aller Adern eines Menschen reicht mehr als zwei Mal um die Erde, alle Nervenbahnen hintereinander reichten bis zum Mond und wieder zurück. Aber was leisten unsere Gefäße und Nervenzellen eigentlich in jeder Sekunde unseres Lebens. Wir nehmen Sie mit auf eine Reise durch den Körper.

VON TIMO SCZUPLINSKI
Prof. Dr. Heiner Wenk ist Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie am Klinikum Bremen-Nord
Privatdozent Dr. Letterio Barbera ist Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie am Klinikum Bremen-Mitte.
Prof. Dr. Andreas Kastrup ist Chefarzt der Neurologischen Klinik – Schlaganfalleinheit am Klinikum Bremen-Mitte.
Dr. Matthias von Mering ist Chefarzt der Klinik für Neurologische und Klinische Neurophysiologie – Stroke Unit am Klinikum Bremen-Nord.

Mal rein theoretisch: Wenn sich jemand die Mühe machte, alle Blutgefäße des menschlichen Körpers in eine Reihe zu legen, dann käme er ganz schön um die Welt. Nämlich fast zweieinhalb Mal. Alle Arterien, Haargefäße (Kapillaren) und Venen, die Hauptschlagader (Aorta), Hohlvenen und Arteriolen (kleine Arterien) kommen hintereinander weg etwa auf eine Länge von knapp 100.000 Kilometern. Natürlich haben unsere Blutgefäße eine weitaus sinnvollere Aufgabe, als mehrfach um die Welt gewickelt zu werden. Sie durchbluten unseren Körper in jeder Sekunde. Die Adern sind dabei die röhrenartigen Transportwege vom Kopf bis in die Zehenspitzen. Arterien führen vom Herzen weg, die dehnbareren Venen zum Herzen hin. Aber in den allermeisten Fällen bleiben sie und ihre lebenswichtige Arbeit für uns unsichtbar.

„Mit der Gesundheit ihrer Blutgefäße beschäftigen sich die meisten Menschen erst, wenn sie sichtbar werden“, sagt Prof. Dr. Heiner Wenk, Gefäßchirurg am Klinikum Bremen-Nord. Wenn Adern anschwellen und sich durch die Haut abzeichnen, heiße das aber noch lange nicht, dass sie krank sind. Gerade bei dünnen Menschen werde die Halsvene verstärkt sichtbar. „Das ist erst einmal nicht ungewöhnlich, gerade im Liegen, weil es hier keine Venenklappen gibt, die den Rückfluss des Blutes verhindern“, sagt Wenk.

Pro Minute wird unser ganzes Blut – bei Frauen sind es fünf, bei Männern eher sechs Liter – einmal durch den ganzen Körper gepumpt. „Über die Blutbahnen wird der Stoffwechsel jeder Körperzelle ermöglicht“, sagt Privatdozent Dr. Letterio Barbera, Gefäßchirurg am Klinikum Bremen-Mitte. Aber was heißt Stoffwechsel? „Energie und wichtige Bausteine wie Eiweiße, Fette, Vitamine oder Zucker, die über die Nahrung aufgenommen werden, werden über das Blut und seine Bahnen transportiert und von Organen ab- und umgebaut“, erklärt Barbera. Die Bausteine sind dringend notwendig, um etwa Muskelfasern, Nervenfasern, Knochen oder Zellwände zu versorgen und instand zu halten. Das Herz ist der Taktgeber und gibt den Druck, mit dem sich das Blut durch den Körper bewegt, vor. Die Geschwindigkeit hält sich in Grenzen, sie liegt bei bloß zwei Kilometern pro Stunde. Schrittgeschwindigkeit.

Pro Minute wird unser ganzes Blut – bei Frauen sind es fünf, bei Männern eher sechs Liter – einmal durch den ganzen Körper gepumpt. „Über die Blutbahnen wird der Stoffwechsel jeder Körperzelle ermöglicht“, sagt Privatdozent Dr. Letterio Barbera, Gefäßchirurg am Klinikum Bremen-Mitte. Aber was heißt Stoffwechsel? „Energie und wichtige Bausteine wie Eiweiße, Fette, Vitamine oder Zucker, die über die Nahrung aufgenommen werden, werden über das Blut und seine Bahnen transportiert und von Organen ab- und umgebaut“, erklärt Barbera.

Die Bausteine sind dringend notwendig, um etwa Muskelfasern, Nervenfasern, Knochen oder Zellwände zu versorgen und instand zu halten. Das Herz ist der Taktgeber und gibt den Druck, mit dem sich das Blut durch den Körper bewegt, vor. Die Geschwindigkeit hält sich in Grenzen, sie liegt bei bloß zwei Kilometern pro Stunde. Schrittgeschwindigkeit.

 

120 Metern pro Sekunde

Kilometer

Würde man alle Nervenbahnen aneinanderknüpfen, würden sie über die Länge der Blutgefäße wohl müde lächeln. Während es die Adern zweieinhalb Mal um die Welt schaffen, reicht die Länge der Nervenbahnen gleich 20 Mal um die Erdkugel – oder anders gerechnet: einmal bis zum Mond und zurück. Das sind insgesamt 780.000 Kilometer.

Sind meine Blutbahnen gesund?

Den Puls am Handgelenk kann jeder fühlen. Aber die wenigsten werden schon einmal den Puls am Fuß getastet haben. Man spürt ihn gleich auf zwei Arten. Auf dem Fußrücken und unter dem linken Knöchel. Wer einen deutlichen Pulsschlag fühlt, der hat sogar gleich einen Schnelltest bestanden. „Denn dann ist das ein deutliches Zeichen dafür, dass man keine Gefäßprobleme in den Beinen hat“, sagt Wenk.

Da geht es auf den Nervenbahnen schon weitaus schneller zu. Je nach Fasertyp liegt die Geschwindigkeit zwischen einem und 120 Metern pro Sekunde. „Die Nerven sind so etwas wie das schnelle Internet des menschlichen Körpers. Quasi unsere Glasfaserkabel“, erklärt Prof. Dr. Andreas Kastrup, Chef-Neurologe an den Klinika Bremen-Mitte und -Ost. „Nervenbahnen sind unsere Kommunikationsbahnen“, sagt Kastrup. Sie tauschen Signale untereinander aus, steuern den Muskeleinsatz, lassen uns spüren oder ermöglichen das Denken. Gehirn und Rückenmark bilden das zentrale Nervensystem – unsere Schaltzentrale gewissermaßen. „Vom Rückenmark aus führen Nervenbahnen durch unseren ganzen Körper und stellen das periphere Nervensystem dar“, erklärt Dr. Matthias von Mering, Chefarzt der Klinik für Neurologie und Stroke Unit am Klinikum Bremen-Nord.

Entweder funktionieren diese autonom als vegetatives Nervensystem, indem sie automatisch Hormone ausschütten oder die Verdauung steuern. Oder sie funktionieren somatisch, das heißt über den menschlichen Willen, wie man sich bewegen will und was man machen möchte. „Reize werden von den Nerven aufgenommen, als elektrische Impulse an das Hirn weitergeleitet“, sagt von Mering. Von dort aus setzt das Hirn wiederum Reize, um beispielsweise ein zu heißes Backblech schnell wieder loszulassen.

Würde man übrigens alle Nervenbahnen aneinanderknüpfen, würden sie – wenn sie es könnten – über die Länge der Blutgefäße wohl müde lächeln. Zusammen kommen sie auf 780.000 Kilometer Länge. Fast 20 Mal um die Welt. Oder einmal von der Erde bis zum Mond und zurück.

Alle Adern in eine Reihe gelegt reichten etwa zweieinhalb Mal um die Erde, alle Nervenbahnen sogar einmal bis zum Mond und zurück.

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