Das Auge des Anästhesisten

Mit Hilfe von Ultraschall-Geräten können Ärzte Körperregionen heute effektiver und schonender betäuben. Nun bekam die Klinik für Anästhesiologie und Schmerztherapie am Klinikum Bremen-Mitte ein Zertifikat für die Qualifizierte Ultraschall-Weiterbildung.

VON TIMO SCZUPLINSKI (TEXT) UND KERSTIN HASE (FOTOS)

 

“Blind stechen“, diesen Ausdruck verwendet Prof. Dr. Michael Winterhalter, wenn er beschreibt, wie die Anästhesie bisher funktionierte. Wenn ein Anästhesist die Nadel setzte, um etwa eine bestimmte Körperregion eines Patienten zu betäuben, wusste er zwar sehr genau, was er da tut. Genau sehen, was unter der Haut im Körper passiert, konnte er aber nicht. Ein Anästhesist stach sozusagen blind. Orientierung gab es für den Anästhesisten nur anhand der äußeren Anatomie und sogenannter Landmarken. Bei Regionalanästhesien – also regionalen Betäubungen bestimmter Körperregionen wie Arme oder Beine – half auch Nervenstimulation, die exakte Stelle zu finden. „Die Gefahr, dass dabei das eigentliche Ziel nicht getroffen wurde, lag bei etwa fünf bis zehn Prozent“, sagt Winterhalter, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und Schmerztherapie am Klinikum Bremen-Mitte (KBM).

Diese „blinden“ Zeiten sind für die Anästhesisten am Klinikum Bremen-Mitte längst vorbei. Bei regionalen Betäubungen und vor allem auch bei Gefäßpunktionen hilft den Ärzten mittlerweile ein Ultraschallgerät. Mit diesem können sie genau in den Körper des Patienten hineinschauen. Der Ultraschall wird sozusagen zum Auge des Anästhesisten. Die alte Methode war zwar auch keineswegs schlecht und hat nach wie vor ihren Stellenwert in der peripheren Regionalanästhesie. „Aber so können wir nun auch in der Anästhesie millimetergenau arbeiten und auch Stellen betäuben, die uns früher nicht zugänglich waren“, sagt Winterhalter. Die ultraschallgesteuerte periphere Regionalanästhesie, die im gesamten Klinikverbund Gesundheit Nord eine feste Rolle spielt und etabliert ist, nehme so einen besonderen Stellenwert ein.

Viele Tausend Eingriffe würden auf diese Weise pro Jahr am Klinikum Bremen-Mitte vorbereitet. Und besonders ältere Menschen, die das Patientenklientel zunehmend bestimmen, profitierten davon. „Durch eine alleinige Regionalanästhesie kann bei bestimmten Eingriffen komplett auf die Vollnarkose verzichtet werden“, sagt Winterhalter.

Prof. Dr. Michael Winterhalter, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und Schmerztherapie am Klinikum Bremen-Mitte

Patienten kämen mit viel weniger Schmerz- und Narkosemittel aus, erholten sich dadurch auch schneller. Der komplette Prozess der Anästhesie gewinne so enorm an Qualität. Das heißt: Mehr Sicherheit für Patienten, die zudem deutlich schneller und verträglicher narkotisiert werden und rascher für den operativen Eingriff bereit sind.

Betäubung im Kniebereich: Während das Ultraschallgerät den Bereich scannt, kann der Anästhesist die Nadel punktgenau platzieren.

„Klinikum ist Vorreiter in der Region“

Der Einsatz des Ultraschallverfahrens (Sonografie) ist am Klinikum Bremen-Mitte bereits Standard für alle durchgeführten Punktionen. Nun hat die Klinik für Anästhesiologie und Schmerztherapie am Klinikum Bremen-Mitte sogar das Zertifikat der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) für die „Qualifizierte Ultraschall-Weiterbildung“ erhalten. Das heißt: Die Klinik arbeitet nicht nur täglich mit der Unterstützung des Ultraschalls, sondern sie bildet ihre Anästhesisten in diesem Bereich auch selbst intensiv und strukturiert weiter. „Das Klinikum Bremen-Mitte ist bei der Anästhesie mit Ultraschall-Unterstützung eindeutig der Vorreiter in der Region“, sagt Dr. Timur Puschmann, Leitender Oberarzt in der Anästhesiologie. Die Zertifizierung sei an sehr hohe Qualitätsstandards gebunden. Nur sieben der etwa 1800 Anästhesieabteilungen in Deutschland hätten diese Auszeichnung bisher erhalten. Am Klinikum Bremen-Mitte haben Timur Puschmann und sein Team seit drei Jahren eine feste Struktur zur Weiterbildung etabliert.

Pro Jahr finden zwei DEGUM zertifizierte Weiterbildungskurse für Anästhesisten statt. Sogar ein sogenanntes „Skills Lab“ –  also ein Übungsraum – steht den Ärzten zur Verfügung, um die Theorie auch in die Praxis umzusetzen. Und das ist gar nicht so einfach. Arbeitete der Anästhesist bisher gewissermaßen „blind“, so muss er heute genaue anatomische Kenntnisse der Zielregion haben. Er muss lernen, Ultraschallbilder lesen zu können und aus dem Sichtbaren die richtigen Handgriffe abzuleiten. Die sichere Nadelführung unter Ultraschalkontrolle muss trainiert werden. Je mehr Erfahrungswerte die Anästhesisten mit der Ultraschalltechnik gesammelt haben, desto effektiver können sie die Methode auch anwenden. „In Deutschland  werden sich in den nächsten Jahren die ultraschallgesteuerten Punktionen und Regionalanästhesieverfahren in der Anästhesie rasch durchsetzen. Es ist das Modell für die Zukunft“, ist Prof. Dr. Michael Winterhalter überzeugt. In seiner Klinik ist das Verfahren schon längst in der Gegenwart angekommen.

Auf dem Monitor wird durch den Ultraschall die Körperregion sichtbar, die betäubt werden soll. Der Anästhesist kann so sehr viel genauer arbeiten.

Bundesweit nur 7 Kliniken mit Weiterbildungs-Zertifikat

Die Klinik für Anästhesiologie und Schmerztherapie am Klinikum Bremen-Mitte ist eine von bundesweit nur sieben Kliniken, die mit dem DEGUM-Zertifikat für Qualifizierte Ultraschall-Weiterbildung ausgezeichnet worden sind. Insgesamt gibt es etwa 1800 Anästhesie-Abteilungen in Deutschland. DEGUM steht für die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) für die „Qualifizierte Ultraschall-Weiterbildung“ erhalten. Die Zertifizierung sei an sehr hohe Qualitätsstandards gebunden. Pro Jahr finden zwei DEGUM zertifizierte Weiterbildungskurse für Anästhesisten statt. In einem „Skills Lab“ –  einem Übungsraum – können Ärzte die Theorie in die Praxis umsetzen.

 

 

Die Klinik für Anästhesiologie und Schmerztherapie am Klinikum Bremen-Mitte finden Sie hier

Das Stellenangebot für Assistenz-Ärzte zur Weiterbildung finden Sie hier

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