Die wahrscheinlich jüngste Station Bremens

Auszubildende haben für einige Wochen die Pflegearbeit auf einer Station der Kinderklinik am Klinikum Bremen-Nord übernommen. Nachwuchspfleger kümmern sich um junge Patienten – in dieser besonderen Konstellation bilden sie aktuell die wahrscheinlich jüngste Krankenhausstation Bremens. Wir haben die Schulstation besucht.

VON TIMO SCZUPLINSKI (TEXT) UND KERSTIN HASE (FOTOS)

Die Station K2 der Kinderklinik am Klinikum Bremen-Nord ist seit ein paar Wochen in Schülerhand. Auszubildende zur Gesundheits- und Krankenpflegerin versorgen hier die jungen Patienten mit allem, was sie benötigen. Während die meisten Patienten noch ganz am Anfang ihres Lebensweges stehen, beginnt für die angehenden Pflegerinnen mit dem Einsatz auf der Schulstation ihr Berufsleben erst so richtig. Die K2 ist, wenn man so möchte, vermutlich gerade die jüngste Krankenhausstation Bremens.

„Ich hatte schon gehörigen Respekt vor dieser Aufgabe. Für uns kommt es ja gerade darauf an, das Theoretische auf solch einer Schulstation richtig in die Praxis umsetzen zu können“, erzählt die Auszubildende Viviane Benndorf. Aber wie funktioniert das genau? Auszubildende im dritten Lehrjahr übernehmen im pflegerischen Bereich auf der kompletten Station das Ruder. Auf diese Weise werden die Pflegeschülerinnen und Schüler auf ihre Arbeit im Stationsalltag vorbereitet. Sie handeln eigenverantwortlich und übernehmen alle Pflegeaufgaben des bisherigen Stationsteams. Im Hintergrund stehen etablierte Kräfte bereit, um zu helfen – oder die Aufgaben zu übernehmen, die Auszubildende noch nicht übernehmen dürfen.

Es ist das erste Mal, dass am Klinikum Bremen-Nord eine Schulstation in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin auf die Beine gestellt wurde. Doch auf viel Hilfe sind Nachwuchs-Pflegekräfte auf der Kinderstation K2 gar nicht angewiesen. Und so sehr sie es nun lernen, im Krankenhaus-Alltag Verantwortung zu übernehmen, so sehr müssen die examinierten Mitarbeiterinnen erst einmal damit zurechtkommen, Verantwortung an den Pflege-Nachwuchs abzugeben. „Das war erst ungewohnt“, sagt Arzu Yigit, die zum festen Pflegeteam auf der K2 gehört. „Am Anfang mischt man sich noch viel ein. Aber dann sieht man auch, dass die Auszubildenden die Arbeit gut im Griff haben.“ Es ist ein Vertrauensverhältnis, das sich erst entwickeln muss und hier in der Kinderklinik offenbar rasend schnell gewachsen ist.

Als wären die neuen Rollen nicht schon herausfordernd genug, gestaltet sich Arbeit auf einer Kinderstation besonders vielfältig. Auf den Zimmern liegen Säuglinge, Kleinkinder bis hin zu Teenagern. Und auch die Bandbreite an möglichen Erkrankungen ist enorm groß und nicht bloß auf ein Fachgebiet festgelegt. „Man muss sich gut auskennen und schnell umswitchen können. Das macht die Aufgabe hier besonders reizvoll“, sagt die Auszubildende Annika Tödter.

 

Ausbildung mit Übernahmegarantie

„Das Niveau dieser Klasse ist enorm hoch“, findet Michael Feldmann. Der Klinikpflegeleitung imponiere, wie schnell die Schülerinnen großes Selbstvertrauen in den neuen Aufgabengebieten aufgebaut haben. Zusätzlich werde die Klasse auch eng von der Pflegeschule betreut. „Es macht Spaß zu sehen, wie die jungen Damen in ihrer Aufgabe aufgehen“, sagt Feldmann. Sie habe auch schon Signale bekommen, dass die eine oder andere Schülerin sich nach dem Examen eine feste Rolle auf der Station vorstellen könnte.

Die Kinderklinik ist nur eine von Dutzenden Kliniken der Gesundheit Nord, in denen Auszubildende nach ihrem Examen als fest angestellte Pflegerin arbeiten können. Die Möglichkeiten sind riesig, genauso wie die Weiterbildungsmöglichkeiten. Seit Anfang des Jahres gibt es bei der Gesundheit Nord außerdem eine Betriebsvereinbarung, nach der alle Auszubildenden nach erfolgreichem Abschluss unbefristet übernommen werden. „Wenn die jungen Leute bei uns bleiben möchten, ist das doch das Beste, was uns passieren kann“, sagt Feldmann. Und das sei bei vielen der Fall. Die Übernahmegarantie gebe den Auszubildenden frühzeitig eine Sicherheit, wie es nach der Ausbildung weitergehen könne. Es gebe aber natürlich auch immer einige Schüler, die lieber noch ein Studium dranhängen wollen oder noch ein bisschen Auslandserfahrung sammeln möchten.

Viviane Benndorf, zum Beispiel, kann sich gut vorstellen, längerfristig hier in der Kinderklinik ihren festen Arbeitsplatz zu finden. „Ich habe mich hier vom ersten Tag auf der Station wohlgefühlt“, sagt sie. Sie hätte nichts dagegen, wenn ihr Praxismonat in der Kinderklinik sich nach ihrem Examen automatisch verlängert und sie als examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin das Stationsteam verstärken kann.

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