Ein Jahr mit Mats – Zu Besuch bei Frühchen-Eltern

Vor gut einem Jahr ist Mats Warneke am Klinikum Links der Weser als Frühchen zur Welt gekommen. Zum Welt-Frühgeborenen-Tag am 17. November haben wir Familie Warneke in Weyhe nun wieder besucht. Entstanden ist ein Rückblick auf das erste Jahr als Frühchen-Eltern.

VON STEFANIE BECKRÖGE

 

Mats strahlt über das ganze Gesicht. Blitzschnell robbt er übers Parkett zu seinem Lieblingsspielzeug – betrachtet es, steckt es in den Mund. Und seine Eltern Monja und Malte Warneke strahlen auch, während sie dem aufgeweckten Jungen zusehen. „Jetzt sind wir einfach glücklich“, sagt Monja Warneke. Vor kurzem hat Mats seinen ersten Geburtstag gefeiert. Aber eigentlich wäre der erst Anfang Dezember gewesen. Mats Warneke und sein Zwillingsbruder Bent sind bedingt durch frühe Wehen und eine Schwangerschaftsvergiftung in der 27 Schwangerschaftswoche zur Welt gekommen. Viel zu früh.

Bent schafft es nicht. Nach drei Tagen stirbt der Kleine in den Armen seiner Mutter. „Das war das absolut schlimmste, was wir je erlebt haben, aber wir wussten auch – wir dürfen jetzt nicht nur trauern, wir müssen weiterkämpfen – für Mats“, sagt Monja Warneke. 86 Tage wird Mats in der Neonatologie des Klinikums Links der Weser von Dr. Thorsten Körner und seinem Team behandelt. 86 Tage, an denen sich seine Eltern an seinem Bett abwechseln, hoffen und bangen. Mats kämpft sich ins Leben.

Von all dem ist heute nichts mehr zu spüren. Mats ist fit und gesund. Ein ausgeglichenes, fast immer fröhliches Kind. „Das ist ein ganz großes Geschenk“, sagt Malte Warneke. Dem stimmt auch Dr. Thorsten Körner, der Leitende Arzt der Neonatologie am Klinikum Links der Weser, zu. In seiner Klinik werden im Jahr etwa 120 sehr kleine und sehr unreife Frühchen mit einem Geburtsgewicht unter 1500 Gramm versorgt. „Nicht selten leiden extrem frühgeborene Kinder noch lange unter den Folgen der fehlenden Zeit im Mutterleib, sind motorisch in der Entwicklung zurück, können schlecht essen, haben Herz-oder Lungenprobleme“, erklärt er.

Die erste Zeit im Klinikum Links der Weser liegt für die Warnekes inzwischen gefühlt weit zurück. Bei Ihnen ist Kinderalltag eingekehrt. Aber vergessen werden sie die ersten Wochen nie. „Ich habe immer gedacht, das ist doch nicht dein Leben hier, das ist doch ein schlechter Film“, sagt Monja Warneke.

Dankbar ist sie noch immer für die Unterstützung des Neonatologie-Teams. „Alle waren immer klar und sehr ehrlich zu uns. Das war zuerst hart, hat aber sehr geholfen“. Mit der Zeit hätten sie zu vielen ein sehr vertrautes Verhältnis aufgebaut und sich gut aufgehoben gefühlt, sagen beide.

Alle waren immer klar und sehr ehrlich zu uns. Das war zuerst hart, hat aber sehr geholfen Monja Warneke

über die Hilfe des Neonatologie-Teams

Den Welt-Frühgeborenen-Tag am 17. November wollen sie nutzen, um das Neonatologie-Team mal wieder zu besuchen. Das Klinikum Links der Weser beteiligt sich in diesem Jahr erstmals an den bundesweiten Aktionen, lädt Frühchen-Eltern und ihre Kinder ein und informiert Interessierte an einem Stand in der Eingangshalle.

Den Welt-Frühgeborenen-Tag gibt es seit 2008. Er geht auf die Initiative der Organisation „European Foundation for the Care of Newborn Infants“ (EFCNI) und internationaler Partner zurück. Der Tag soll auf die großen Herausforderungen von Frühgeborenen und ihren Eltern aufmerksam machen. Statistisch gesehen kommt eines von zehn Neugeborenen als sogenanntes Frühchen zur Welt.

Die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Links der Weser finden Sie hier.

Die Elternberatung in der Neonatologie finden Sie hier.

Die Klinik für Geburtshilfe am Klinikum Links der Weser finden Sie hier.

Auch Radio Bremen hat Familie Warneke in den Tagen nach der Geburt begleitet. Den Fernseh-Beitrag finden Sie hier

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