Ein Mann mit starken Nerven – Einblick in die Rechtsmedizin

Die Konfrontation mit dem Tod, mit Verbrechen und menschlichen Abgründen gehört zum Alltag eines Rechtsmediziners. Aber was wird am Institut für Rechtsmedizin am Klinikum Bremen-Mitte eigentlich genau gemacht? Wir haben Institutsdirektor Olaf Cordes über die Schulter geschaut.

VON KAREN MATISZICK

Man muss Olaf Cordes nicht lange kennen, um festzustellen: Diesen Mann bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Seit Mitte 2016 leitet der 46-Jährige das Institut für Rechtsmedizin auf dem Gelände des Klinikums Bremen-Mitte. Vorher war er lange Zeit als leitender Oberarzt in der Rechtsmedizin tätig. Ein Job, in dem man ohne Zweifel starke Nerven braucht: Die Konfrontation mit dem Tod, mit Verbrechen und menschlichen Abgründen gehört für Cordes ebenso zum Alltag wie die Arbeit am Schreibtisch.

Rechtsmediziner wie Olaf Cordes sind in der Öffentlichkeit vor allem durch ihre Aufgaben im Zusammenhang mit der Aufklärung von Straftaten bekannt. Sie werden an den Tatort gerufen, um Leiche und Fundort zu beurteilen, insbesondere bei Verdacht auf Kapitalverbrechen. Sie führen im Auftrag der Staatsanwaltschaft Obduktionen durch. Sie erstellen Gutachten, werden in Gerichtsprozessen tätig und nehmen so genannte Opfer- bzw. Täteruntersuchungen vor, die der Spurensicherung und der Dokumentation von Verletzungen dienen.

Die Leichen genau im Blick. Olaf Cordes, Direktor der Rechtsmedizin in Bremen.

Das ist aber längst nicht alles: Das Institut für Rechtsmedizin erfüllt hoheitliche Aufgaben wie beispielsweise die Kontrolle aller Bremer Todesbescheinigungen. Zudem ist es zuständig für die Untersuchungen von Todesfällen in Zusammenhang mit medizinischen Leistungen, für die Bestattung von Leichen ohne Angehörige, für statistische Erhebungen sowie für die so genannte zweite Leichenschau vor der Einäscherung.

 

“Totgesagte leben länger”

Der neue Institutsleiter Cordes hat in Hamburg studiert und ist bereits seit 2002 in Bremen tätig. 2005 wurde er Facharzt für Rechtsmedizin. Er gilt als zielstrebig, humorvoll, ruhig und besonnen – ein Mann, der keine überflüssigen Worte sagt und die Nerven behält. Das tat er übrigens auch, als die Zukunft des Instituts zwischenzeitlich düster aussah, weil Bremen nach dem Ausscheiden des bisherigen Direktors, Prof. Michael Birkholz, mit dem rechtsmedizinischen Institut in Hamburg kooperieren wollte. Cordes übernahm die kommissarische Leitung, sorgte dafür, dass der Betrieb reibungslos weiterging. Er schrieb ein eigenes Konzept für die Weiterführung des Instituts, mit dem er überzeugte. Inzwischen steht fest, dass das Institut auch künftig mit den hoheitlichen, rechtsmedizinischen Aufgaben in Bremen betraut sein wird. “Totgesagte leben länger”, lautete Cordes recht nüchterner Kommentar dazu.

Olaf Cordes wird nicht nur die bewährte Arbeit der Einrichtung fortsetzen, sondern das Leistungsspektrum weiter ausbauen. Er setzte sich beispielsweise schon lange für die Einführung einer so genannten qualifizierten Leichenschau ein, die 2017  in Bremen umgesetzt wurde. Dabei muss jeder Tote – anders als noch üblich – von zwei Ärzten angesehen werden: Zunächst wird der Haus- oder Klinikarzt den Totenschein ausstellen, dann untersucht ein Leichenschauarzt die Todesursache. “Damit würden wir viele unnatürliche Todesursachen feststellen, die heute einfach unentdeckt bleiben”, sagt Cordes.

Nervenstark und zielstrebig ist er übrigens nicht nur im Job, sondern auch in seiner Freizeit: Der dreifache Familienvater treibt viel Sport. Und zwar nicht irgendeinen. Olaf Cordes ist aktiver Triathlet.

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