Knochenverlängerung mit Nagel und Magnet

Hosea Bürgeners Beine waren unterschiedlich lang. Um wieder ins Gleichgewicht zu kommen, ließ er seinen Oberschenkelknochen nach einem besonderen Eingriff am Klinikum Bremen-Mitte per Magnet und Marknagel wachsen.

VON STEFANIE BECKRÖGE

 

Nach einem Blick aufs Röntgenbild nickt Dr. Ute Brückner, Fachärztin für Kinderorthopädie am Klinikum Bremen-Mitte, zufrieden. „Das sieht doch super aus“, sagt sie und zeigt auf den sich neu bildenden Kochen. Nun sind auch Hosea Bürgener und seine Mutter Christine erleichtert. Hosea hat in der Kinderorthopädie am Klinikum Bremen-Mitte einen speziellen Nagel in den Oberschenkel implantiert bekommen, der mit Hilfe eines von außen aufgesetzten Magneten in die Länge gezogen wird und auf diese Weise den Knochen verlängert –eine innovative Methode, die jetzt zum allerersten Mal in Bremen zum Einsatz kam.

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Zwar muss der 16-Jährige noch eine Zeit lang mit Gehhilfen unterwegs sein und die nächste Reitstunde noch ein paar Wochen warten, aber er ist zufrieden mit der gewählten Methode. Damit soll bei Hosea eine rund zwei Zentimeter große Beinlängendifferenz ausgeglichen werden, die Schultern und Wirbelsäule schief werden ließund ihm zunehmend Probleme bereitete. „Mit Einlagen war es am Ende nicht mehr getan“, erzählt er –aber einen „Fixateur“, der das Bein von außen mit Stangen ruhig hält, die mit Nägeln im Bein verschraubt sind, wollte er auch nicht. „Damit wäre es nicht möglich gewesen, dass Hosea sich selbstständig zur Schule und zurück bewegt“, sagt Mutter Christine. Der behandelnde Orthopäde berichtete Familie Bürgener von der Methode mit dem magnetischen Marknagel, der seit etwa fünf Jahren an großen Universitätskliniken, beispielsweise in Münster oder Hamburg, eingesetzt wird. „Ich habe dann Frau Dr. Brückner gefragt, ob sie das nicht auch in der Kinderorthopädie am Klinikum Bremen-Mitte machen könne und sie hat zugestimmt“, freut sich Christine Bürgener. Denn weite Behandlungswege wären für die sechsköpfige Familie sehr problematisch geworden.

„Am Ende hat es höchstens mal etwas gekribbelt.“

 

Der Marknagel bietet neben dem höheren Komfort aber auch einen entscheidenden medizinischen Vorteil: Da es keine direkten Kontakte über die Haut nach außen gibt, wie bei allen anderen Verfahren, gibt es auch keine heiklen Infektionsherde.

Im Juli vergangenen Jahres wurde Hosea in einer Operation der Oberschenkel durchtrennt, anschließend wurden beide Teile mit dem Marknagel fest verankert. Und dann war Hosea selbst gefragt: In einer Schulung lernte er, wie er den Magneten von außen auf eine zuvor markierte Stelle aufsetzen und bedienen muss. Das tat er 20 Tage lang jeden Tag drei Mal. Der Nagel verlängerte sich also etwa um einen Millimeter pro Tag. Schmerzen hatte Hosea dabei nicht. „Am Ende hat es höchstens mal etwas gekribbelt“, sagt er.

Der Knochen baut sich über die Distanz recht schnell wieder auf und ist irgendwann so stabil, dass der Nagel entfernt werden kann. Das wird jetzt bald der Fall sein. Und dann sitzt Hosea auch wieder fest im Sattel.

Behandelte Patienten

Dr. Ute Brückner studierte in Berlin und arbeitete anschließend in Potsdam, Berlin und Rotenburg/Wümme, bevor sie im Juli 2015 als leitende Kinderorthopädin in die Klinik für Kinderchirurgie und -urologie ans Klinikum Bremen-Mitte wechselte. Hier leitet sie die neue Abteilung für Kinderorthopädie, in der sie mit ihrem Team bereits weit über 600 neue Patientinnen und Patienten behandelt hat. Neben der stationären Behandlung bietet sie auch drei ambulante Sprechstunden an.

Sprechstunden

Allgemeine Kinderorthopädie
Dienstags 13 bis 16 Uhr

z.B. Beinachsenfehlstellungen
(z.B. X-Beine), Skoliose, behinderte Kinder (Syndrom-Erkrankungen, Cerebralparesen)

Fußsprechstunde
Donnerstags 9 bis 12 Uhr

z. B. Klumpfüße, Knick-Platt-Füße,
Fußschmerzen, Gipsanlage und -wechsel

Hüftsprechstunde
Donnerstags 12 bis 13 Uhr

Sonographie, Hüftdysplasie,
Epiphysenabrutsch (ECF), Morbus Perthes

Kontakt und Terminvergabe
0421 497-5419
ute.brueckner@klinikum-bremen-mitte.de

Mehr zu kinderorthopädischen Themen und zur Kinderchirurgie am Klinikum Bremen-Mitte finden Sie unter:
http://www.gesundheitnord.de/krankenhaeuserundzentren/kbm/klinikum-bremen-mitte/kinderchirurgie.html

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