Abgehorcht (4): Ameisen-Armee? Na und!

Es gibt gute Gründe für einen Fahrradhelm. Aber muss es gleich das Modell “Rippenheizkörper” sein? Warum es so schwer mit der Vernunft ist, lesen Sie im neuen Teil unserer Kolumne “Abgehorcht”.

VON STEFANIE BECKRÖGE

Als Mitarbeiterin der Unternehmenskommunikation bin ich oft in Krankenhäusern unterwegs. Und ich komme dabei natürlich nicht umhin, von schlimmen Schicksalen zu erfahren. Ein Patient erzählte neulich von seinem fatalen Fahrradunfall, sprach von 33 Operationen und einem schweren Schädelhirntrauma. Seinen Helm hatte er an diesem Tag nicht getragen. Als dann noch ein Arzt erwähnt, dass er seit den Erfahrungen aus seinem Chirurgen-Leben niemals mehr ohne Helm unterwegs sei, bekomme ich ein schlechtes Gewissen.

Ich habe noch nie einen Helm getragen. Einmal habe ich einen aufprobiert und dann ganz schnell wieder abgesetzt. Wenn Sie die Ameisen-Armee aus den Biene-Maja-Filmen kennen, können Sie sich jetzt vorstellen, wie ich mit Helm aussehe. Dennoch muss ich mir auch zuhause einiges wegen meines eitlen Helmverzichts anhören. Mein Mann und meine kleinen Töchter lassen kaum eine Gelegenheit ungenutzt, mich als letzte in unserer Familie zur Vernunft zu bringen.

Also gut. Ich kaufe mir einen Helm. Aber wenn schon Helm, dann einen coolen. Einen Skater-Helm.

“Und den finden Sie jetzt cool?“, fragt die Verkäuferin, als ich im Fahrradgeschäft ganz mutig einen aufsetze. „Der ist viel zu groß für Ihren schmalen Kopf.“ Sie dirigiert mich zum nächsten Regal – voll mit aerodynamischen, leichten Rippenhelmen und eher mittelschönen Graffiti-Dekorationen.

„Der wäre was für Sie“, sagt die Fachfrau lächelnd. Und schon habe ich einen weißen Helm mit roten und schwarzen Streifen auf dem Kopf. Ich gucke entsetzt. „Jaja, gibt es auch in anderen Farben“, schiebt die Verkäuferin hinterher. Aber ich bleibe hart. Nein, ich möchte einen coolen Skater-Helm. Ich probiere fünf verschiedene auf, bis die Verkäuferin endlich einknickt und grünes Licht gibt.

In unserer Kolumne „Abgehorcht“ berichten unsere Autoren über die alltäglichen Versuche gesünder zu leben. Und darüber, warum das am Ende oft doch nicht klappt.

„Kommen Sie wieder, wenn er für Sie doch nicht angenehm ist, Sie können ihn umtauschen“, gibt sie mir mit einem merkwürdigen Blitzen in den Augen mit auf den Weg. „Guckt mal, mein neuer Helm“, verkünde ich am Abend zuhause. Meine Töchter kriegen einen Lachkrampf und meinen, ich sähe irgendwie aus, wie eine dieser Ameisen aus dem Biene-Maja-Film. Mein Mann beglückwünscht mich zu meiner Vernunft, aber ich höre auch, wie er etwas von „Darth Vader“ nuschelt.

Nuschelt und lacht doch nur, denke ich. Ich finde den Helm super und ignoriere das leichte Kneifen am Ohr. Wird schon besser sitzen mit der Zeit.

Die erste Probefahrt. Die ersten 19 Meter sind herrlich. Nach 20 Metern rutscht mein cooler Helm dann nach vorne auf die Stirn. Aber ich kann noch sehen. Also weiter. Nach 50 Metern gesellt sich zu dem leichten Kneifen am Ohr ein ungeheurer Druck auf meinen Schädel. Vermutlich habe ich längst eine Delle in der Stirn. Nach 100 Metern frage ich mich, ob die Stellschraube hinten schon in meinem Kopf eingedrungen ist. Weitere 100 Meter weiter reicht es mir. Der Helm fühlt sich mittlerweile wie ein riesiger Hinkelstein auf meinem Kopf an. Ich setze ihn ab und verstaue ihn mit schlechtem Gewissen liebevoll in einer Baumwolltasche.

Okay, die Fachverkäuferin hatte Recht. Ich werde ihn umtauschen – gegen einen dieser aerodynamischen, ultraleichten Rippenheizkörper-Modelle. Cool wird das zwar nicht. Aber das ist ein Schädelhirntrauma ja auch nicht.

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