Krampfadern: Dicker Stau statt blasser Schimmer

Adern schimmern eigentlich nur leicht durch unsere Haut. Manchmal schwellen sie aber sichtbar an. Solche Krampfadern sind für viele nicht nur ein ästhetisches Problem.

VON TIMO SCZUPLINSKI (TEXT) UND KERSTIN HASE (FOTO)

Wer unter Krampfadern leidet, kann das eigentlich recht gut erkennen – noch bevor die Venen besonders an den Beinen deutlich anschwellen und ungewollt sichtbar werden. „Hautjucken, nächtliche Wadenkrämpfe sowie ein Spannungsgefühl sind typische Anzeichen für eine Erkrankung“, sagt Dr. Ovidiu Godina, Oberarzt in der Klinik für Gefäßchirurgie am Klinikum Bremen-Mitte. Hinzu komme oft eine Venenentzündung innerhalb des Unterhautfettgewebes, die betroffene Ader sei dann verhärtet und es bilde sich ein rötlicher Strang an der Haut.

Krampfadern sind eine Volkskrankheit. Mehr als zehn Millionen Menschen leiden in Deutschland darunter. Zwar sind deutlich mehr Frauen von einer Varikosis – so werden Krampf-adern in der Fachsprache genannt – betroffen. „Die viel ausgeprägteren Krampfadern stellen wir allerdings bei Männern fest“, sagt Dr. Ovidiu Godina. Das lasse sich auch damit erklären, dass Männer die Beschwerden länger ignorierten und sich wenn überhaupt erst spät zu einem Arztbesuch durchrängen.

Dabei sind die Möglichkeiten, etwas gegen Krampfadern zu unternehmen, breit gefächert. „Das ist umso wichtiger, weil es bei unbehandelten Krampfadern auch zu Komplikationen kommen kann“, sagt Godina. Offene Beingeschwüre sowie eine langsamere Wundheilung wegen der schlechten Durchblutung seien die Gefahren. Im schlimmsten Fall kann der Blutstau in den Venen auch eine Lungenembolie hervorrufen.

„In aller Regel liegt bei Krampfader-Patienten eine angeborene Bindegewebsschwäche vor, die die Gefäßwand sowie die innen liegenden Venenklappen betrifft und zu einer krankhaften Erweiterung der Adern führt“, erklärt Dr. Ovidiu Godina. Krampfadern könnten allerdings auch als Folge einer tiefen Beinvenenthrombose auftreten.

Aber wie kommt es genau zu den dicken, angeschwollenen Adern? „Der Verlust der Gefäßform und der Blutfluss in Richtung Herz führen zu einer Blutstauung, die zunächst nur die Adern betrifft“, erklärt Godina. Diese würden dann sichtbar, wobei insbesondere die Innenseite des Unterschenkels betroffen sei. Nach langjährigem Bestehen der Erkrankung übertrage sich die Blutfülle auf das umliegende Unterhautfettgewebe und führe dort zur Schwellung, Hautverfärbung, Verhärtung und im Spätstadium zu schlecht heilenden Unterschenkelgeschwüren.

 

Lieber schwimmen statt joggen

„Als Faustregel kann
man sagen:
Lieber liegen und gehen
als sitzen und stehen.“

Dr. Ovidiu Godina

„Erst einmal kann jeder selbst das Abschwellen der Krampfadern unterstützen“, sagt Godina. Bei regelmäßigen Spaziergängen oder beim Schwimmen. Die Muskelarbeit und der Wasserdruck haben dann im doppelten Sinn eine positive Wirkung auf die Venen. Joggen hingegen könne das Problem durch den größeren Druck auf die Unterschenkel eher noch verschlimmern. „Als Faustregel kann man sagen: Lieber liegen und gehen als sitzen und stehen“, sagt Godina.

„Die Art und Schwere der Erkrankung ist natürlich sehr unterschiedlich“, sagt Godina. Es müsse genau erfasst werden, welche Beschwerden vorliegen, hinzu komme eine genaue körperliche Untersuchung samt Ultraschall des Venensystems. Wenn eine arterielle Durchblutungsstörung ausgeschlossen werden könne, können Kompressionsstrümpfe helfen. Ein invasives Verfahren – also ein Verfahren innerhalb des Körpers – sei die Verödung durch ein alkoholhaltiges Medikament. Das führt zu einem Verschluss des Gefäßes. Durch die Vermischung mit Luft wird die Wirkung verstärkt. „Diese Maßnahme ist ratsam, wenn Seitenäste betroffen sind.

Die Therapie kann beliebig wiederholt werden und ist insbesondere bei ästhetischen Problemen sowie bei wiederkehrenden Varizen hilfreich“, sagt Godina. Bei den endovaskulären Verfahren – also innerhalb des Blutgefäßes – könne über einen kleinen Schnitt eine Sonde in die erkrankte Ader eingeführt werden. Diese Prozedur führe zu einer Vernarbung der Ader. Damit bleibe ein narbiger Strang zurück, der sich nicht mehr mit Blut anfüllen könne.

„Auch die bekannte Strippingoperation – das Venenziehen – wurde in den letzten Jahren derart verfeinert, dass der Eingriff über sehr kleine und kosmetisch ansprechende Schnitte ausgeführt wird“, sagt Godina. Die Stammvene werde dabei über eine dünne Sonde von der Leiste bis zur Unterschenkelmitte herausgezogen. Die Ader werde beim Herausziehen in sich eingestülpt, was ein schonenderes Vorgehen im Vergleich zur klassischen Strippingoperation sei. Über nur wenige Millimeter lange Hautschnitte würden abschließend die Seitenäste mit entfernt. „In unserer Klinik bieten wir aber auch eine venenerhaltende Krampfaderoperation an“, betont Godina. Diese biete sich gerade in frühen Stadien an. Durch eine von außen angebrachte Manschette werde die Schließfähigkeit der Venenklappen wiederhergestellt – das nenne man extraluminale Valvuloplastie. Durch die Druckentlastung erreiche die Stammvene wieder eine normale Größe.

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