Schaufensterkrankheit: Das Weh in der Wade

Gerade ältere Menschen leiden oft unter der sogenannten Schaufensterkrankheit. Schmerzen in den Beinen zwingen sie zu ständigen Gehpausen. Wie man die Durchblutungsstörung erkennt und wie man sie behandelt, erklärt Gefäßmediziner und Privatdozent Dr. Letterio Barbera.

VON TIMO SCZUPLINSKI

Manchmal hilft nur noch das nächste Schaufenster, um die ständigen Gehpausen noch halbwegs unauffällig zu gestalten. Ständige Wadenschmerzen zwingen gerade ältere Menschen oft zum Stehenbleiben. Der Grund dafür kann eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) sein – oder einfach gesagt: die Schaufensterkrankheit.

„Ursache ist eine Minderdurchblutung der Muskulatur durch verstopfte Schlagadern am Oberschenkel“, erklärt Privatdozent Dr. Letterio Barbera, Chefarzt der Klinik für Gefäßmedizin und Gefäßchirurgie am Klinikum Bremen-Mitte. Die Krankheit könne heimtückisch sein. Oft verlaufe sie zu Beginn völlig schmerzlos. Aber auch erste Anzeichen wie gelegentliche Schmerzen in den Beinen würden von vielen Betroffe-nen nicht ernst genommen.

Die Hälfte der Fälle bleibt laut einer großen Studie zu diesem Thema („getABI“) wohl unentdeckt. „Diffus auftretende Gefäßverkalkung ist die Folge. In sehr seltenen Fällen kann auch eine Amputation nötig werden. Daher ist es besonders wichtig, früh zu handeln“, sagt Letterio Barbera. Ist die Durchblutung schon so gering, dass starke Krämpfe in Waden, Füßen bis hin zum Gesäß entstehen, sei die Krankheit bereits in einem fortgeschrittenen Stadium.

Der Körper kann die arterielle Verschlusskrankheit zwar über viele Jahre durch die Bildung von neuen Gefäßen ausgleichen. Sogenannte Kollaterale stellen die Blutver-sorgung im Kreislaufsystem sicher, wenn andere Blutgefäße verletzt oder defekt sind. „Manche Menschen haben so kräftige Kollaterale, dass sie trotz Verschlusses der Oberschenkel-Schlagader richtige Wandertouren vornehmen können“, sagt Barbera.

Wenn die Lebensqualität aber durch die Wadenschmerzen wesentlich beeinträchtigt ist, so wird eine Behandlung notwendig. Gehtraining unter Anleitung, Medikamente, Ballonkatheter, Bypassoperation sind gängige Optionen.

Renaissance einer OP-Methode

Eine schon seit über 60 Jahren bekannte Operation kann heute zudem eine sehr effektive und nachhaltige Maßnahme sein: Die Profundaplastik, bei der die Arterie von Ablagerungen befreit wird.

Privatdozent Dr. Letterio Barbera

„Bei diesem Eingriff wird der Eingang der wichtigsten Kollaterale – der Arteria profunda Femoris – in der Leiste von Ablagerungen befreit und mit einem Streifen aus körpereigenem Gewebe, also Venen, erweitert, damit der Bluteinstrom verbessert wird“, sagt Letterio Barbera. Abgerundet wird die Therapie durch ein gezieltes Training nach der Operation.

Die Operationsmethode erlebt zurzeit gewissermaßen eine Renaissance. Nachdem zwischenzeitlich neue Materialien wie Rinderherzbeutel, Goretex und Polyester verwendet wurden, nimmt man heute wieder körpereigenes Gewebe als Material für den sogenannte Patch als Gefäßstütze. Man hatte festgestellt, dass dabei deutlich seltener Komplikationen auftreten.

Das anschließende Gehtraining unter Anleitung steigert den Effekt der Operation, da nun mehr Blut für die kleinen Gefäßen zur Verfügung steht. Die schmerzfreie Gehstrecke kann somit bis zu einem halben Jahr nach dem Eingriff weiter gesteigert werden. „Da kein Fremdmaterial vorliegt und keine neue Einengungen zu befürchten sind – anders als etwa nach einem Stent – ist die Behandlungsmethode nachhaltig“, betont Barbera.

So steigen die Chancen, dass sich Betroffene Schaufenster später möglichst nur noch anschauen brauchen, wenn sie dort wirklich etwas Interessantes entdeckt haben.

Einblick in die Gefäßmedizin

Die Schaufensterkrankheit ist nur eine von ganz vielen Beispielen, die unter den Begriff Gefäßerkrankungen fallen. Einen umfassenden Eindruck vom großen Behandlungsspektrum, das die Gefäßexperten an den Krankenhäusern der Gesundheit Nord mit dem Gefäßzentrum am Klinikum Bremen-Mitte bieten, erhält man nun beim Gefäßtag der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie am Sonnabend, 23. September. Um Wunden und Durchblutungsstörungen geht es zum Beispiel am Klinikum Links der Weser in der Wundambulanz (Senator-Weßling-Straße 1) von 10 bis 14 Uhr. Veranstalter sind hier die Klinik für Gefäßchirurgie am Klinikum Bremen-Mitte, die Klinik für Kardiologie und Angiologie und das Wundzentrum des Klinikums Links der Weser.

Im Klinikum Bremen-Nord geht es währenddessen um das Thema Aneurysmen. Dabei handelt es sich um Aussackungen der Bauchschlagader, die Beschwerden verursachen und auch sehr gefährlich werden können: Wenn die Gefäßwand einreißt, kommt es zu einer schweren Blutung, die sofort gestoppt werden muss. Ein Expertenteam um Prof. Dr. Heiner Wenk, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Visceral- und Gefäßchirurgie am Klinikum Bremen-Nord informiert alle Interessierten ab 11 Uhr in der Cafeteria des Klinikums Bremen-Nord über das bei diesem Thema wichtige Aortenscreening durch Ultraschall. Zudem werden operative Möglichkeiten, ein CT und Gefäßstützen (Stent) von den Fachleuten anschaulich erklärt.

Alles zur Gefäßmedizin im Klinikverbund Gesundheit Nord finden Sie hier

Infos zu den Veranstaltungen finden Sie hier

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