Abgehorcht (1): Bitte hinlegen!

Gute Vorsätze einfach fallen lassen, kann jeder. Wer sie wirklich durchziehen will, braucht Disziplin – und den einen oder anderen Geheimtrick.

VON TIMO SCZUPLINSKI

Na, sind Sie schon schwach geworden? Oder haben Sie sich dieses Mal erst gar nichts vorgenommen? Für mich ist ein guter Vorsatz ja Pflicht. Seit einigen Jahren ist es zwar immer der gleiche. Aber dieses Mal wird es für mich bestimmt ein viel sportlicheres Jahr als es die Jahre davor waren. Und ich finde, bisher läuft es richtig gut.

Letzte Woche erst war ich schwimmen. Ich plumpste genau zur richtigen Zeit ins Becken. Die Massagedüsen, die das Wasser immer so schön auf den Rücken plätschern lassen, waren gerade erst angesprungen. Doch als ich nach ein paar Minuten weiterschwimmen wollte, bemerkte ich, dass das halbe Becken von einem Kurs belegt war. Überall hüpften Leute mit Badekappen und diesen bunten Styropornudeln herum. Sie hatten sich offensichtlich ein ganz ähnliches Ziel gesetzt. Doch für mich war da kein Durchkommen. Also zurück zum Wasserfall. Und von dort aus ins wohlig warme Solebecken. Ich fand das sehr vorausschauend von mir. Die frisch von den Düsen durchgeklopften Muskeln sollten sich ja nicht gleich zerren. Nicht schon in der ersten Trainingsstunde.

In der Kolumne „Abgehorcht“ unseres neuen Online-Magazins der Gesundheit Nord berichten Autoren über die alltäglichen Versuche gesünder zu leben. Und darüber, warum das am Ende oft doch nicht klappt.

Denn ich will dieses Mal mehr. Nicht nur Schwimmen. Auch mehr Fahrradfahren und Laufen. Und das mache ich jetzt auch. Die zweieinhalb Kilometer zu meinem Arbeitsplatz bin ich in diesem Jahr erst zehn Mal mit dem Auto gefahren. An diesen Tagen war es wirklich ungemütlich draußen, das können Sie mir glauben. Einmal hat es sogar etwas geregnet. Wenn ich ausnahmsweise dann doch mal mit dem Auto unterwegs bin, suche ich mir auf dem Parkdeck vor unserem Büroturm immer den am weitesten entfernten Parkplatz aus, damit ich noch möglichst viele Schritte zu Fuß gehen muss.

Auf den Fahrstuhl warte ich auch nicht mehr. Ich gehe jetzt Treppe. Das sind in meinem Fall sieben Stockwerke. Sieben. Das müssen Sie sich mal vorstellen! 132 Stufen! Das habe ich neulich erst nachgezählt. Genaugenommen weiß ich das erst, seitdem ich die sieben Stockwerke auch ohne Probleme nach oben schaffe. Spätestens in Ebene fünf bin ich immer ganz froh, dass meine Kollegen sich für den Fahrstuhl entschieden haben. Ab Stockwerk fünf setzt bei mir nämlich ganz offensichtlich die Übersäuerung ein. Die Beine werden zittrig. Es brennt förmlich. Auch das laute Zählen der Stufen – einmal kam ich vor lauter Erschöpfung auf 133 – fällt mir dann nicht mehr so leicht.

Anfangs kam es vor, dass ich in Etage fünf das Treppenhaus sogar wieder verlassen musste und den Rest doch mit dem Fahrstuhl gefahren bin. Aber das liegt schon Tage zurück.

Apropos Durchhalten: Die fehlende Willensstärke soll angeblich das große Problem bei der Sache mit den guten Vorsätzen sein. Unser Gehirn spielt da manchmal einfach nicht mit, heißt es. Wenn man es nicht gut genug behandelt, soll es sogar vorkommen, dass das Gehirn die gesteckten Ziele einfach so vergisst. Zum Beispiel bei Stress oder durch Schlafentzug. Diese Warnung habe ich mir sehr zu Herzen genommen. So fahrlässig riskiere ich meinen Traum vom Sportjahr dieses Mal nicht. Ich habe mich dann erst mal hingelegt.

In der Kolumne „Abgehorcht“ unseres neuen Online-Magazins der Gesundheit Nord berichten Autoren über die alltäglichen Versuche gesünder zu leben. Und darüber, warum das am Ende oft doch nicht klappt.

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