Blutungen stillen mit dem Schneekugel-Prinzip

Kleine Kunststoffkügelchen können helfen, komplizierte Gefäßblutungen zu stillen. Wie das genau funktioniert, erklärt der Radiologe Prof. Dr. Arne-Jörn Lemke.

VON TIMO SCZUPLINSKI (TEXT) UND KERSTIN HASE (FOTOS)

Die Spritze sieht aus wie eine bunte Schneekugel. Schüttelt man sie, verteilen sich die kleinen Kunststoffteilchen in der Flüssigkeit und schweben langsam wieder zu Boden. Das sieht natürlich ganz hübsch aus, vor allem aber soll diese Flüssigkeit Patienten helfen, die an einer Gefäßblutung leiden, die sich nur schwer verschließen lässt. Die sogenannte Embolisation ist der künstliche Verschluss von Blutgefäßen und wird vor allem angewendet, wenn andere Verfahren nicht den gewünschten Erfolg bringen. Die Kügelchen setzen sich in die verletzten Stellen und verschließen sie.

Ist zum Beispiel die Bronchialarterie eines Menschen verletzt, kann es sein, dass dieser dauerhaft Blut hustet, weil sich die verletzte Stelle nicht verschließt. Gerade Patienten, die an einer chronischen Lungenerkrankung oder einem Lungentumor leiden, kann das widerfahren. Unter örtlicher Betäubung wird dann über die Leiste ein Katheter eingeführt. Durch diesen Katheter dringt man mit einem noch feineren Katheter bis zu den Bronchialarterien vor. Dann kommt die bunte Flüssigkeit mit den kleinen Plastikkügelchen per Injektion zum Einsatz, breitet sich im betroffenen Teil der Gefäße aus.

„Die verschiedenen Farben stehen für die unterschiedliche Größe der Kügelchen – die je nach Größe der Verletzung eingesetzt werden“, erklärt Prof. Dr. Arne-Jörn Lemke, Chefarzt der Radiologie und Nuklearmedizin am Klinikum Bremen-Mitte. In den meisten Fällen sei es so möglich, die Blutung zu stillen. Mit einem Nebeneffekt. „Statt Blut zu husten, kann es unmittelbar nach dem Eingriff schon einmal sein, dass die Patienten dann einige der winzigen Plastikkugeln auf der Zunge wiederfinden“, sagt Lemke.

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