Bestrahlung bei Brustkrebs: Schutz fürs Herz durch Atemgating

Bei der Brustkrebs-Therapie wird oft eine Bestrahlung nötig, die aber auch die Organe dahinter belasten kann. Um insbesondere das Herz vor der Strahlenlast zu schützen, arbeitet das Klinikum Bremen-Mitte nun mit einem neuen Verfahren. Beim Atemgating bestrahlen die Geräte genau in dem Moment, wenn durch tiefes Einatmen der Abstand des Herzens zur Brustwand am größten ist.

VON MELANIE WALTER (TEXT) UND KERSTIN HASE (FOTOS)

Wer unter Brustkrebs leidet, braucht im Laufe der Behandlung oft eine Bestrahlung, um der Krankheit etwas entgegenzusetzen. „Die Bestrahlung in der Brustregion bedeutet eine zusätzliche Herausforderung. Die energiereiche Strahlung erreicht auch die Organe hinter dem Brustkorb“, sagt Dr. Silke Frick, kommissarische Direktorin der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie im Klinikum Bremen-Mitte. Insbesondere wenn der Krebs auf der linken Brustseite auftritt, würden oft Areale des Herzens mitbestrahlt, auch große Lungenabschnitte könnten mitbelastet werden.

Seit einigen Monaten arbeitet Dr. Silke Frick mit ihrem Team bei der Bestrahlung von Brustkrebs mit einer besonders schonenden Methode – der sogenannten Deep Inspiration Breath Hold-Technik, kurz DIBH. Diese atemgesteuerte Strahlentherapie – auch Atemgating genannt – funktioniert über tiefes Einatmen und stellt sicher, dass die Strahlendosis immer nur dann gegeben wird, wenn der Abstand zu den Organen wie Herz und Lunge groß genug ist.

„Die Methode ermöglicht es uns, die Strahlenbelastung für die Herzvorderwand ganz zu vermeiden oder wesentlich zu reduzieren“, erklärt Strahlentherapeutin Frick. Die Technik nutze den Effekt, dass sich die Lunge beim tiefen Einatmen mit viel Luft fülle. Auf diese Weise entferne sich das Herz stärker von der Brustwand. „So schaffen wir es meist, dass das Herz und auch die brustwandnahe Koronararterie eine deutlich geringere Strahlendosis abbekommen“, sagt Frick. Auch die Lunge werde weniger belastet.

Aber wie funktionier das genau? Während der Bestrahlung liegen die Patientinnen auf einer Liege und strecken ihre Arme nach oben. Mit Hilfe einer speziellen Brille können sie auf einen Monitor ihre eigene Atemkurve grafisch dargestellt sehen. Auch die optimale Einatmung wird grafisch dargestellt: „Dies garantiert, dass bei der Bestrahlung immer der gleiche tiefe Atemzug durchgeführt wird“, erklärt Frick.

Das Bestrahlungsgerät könne mit einer besonderen neuen Technik den Körper des Patienten während der Therapie gewissermaßen abscannen und die Atemlage genau kontrollieren. „So weiß der Beschleuniger auch immer sofort, wann er bestrahlen darf und wann nicht“, so die Ärztin weiter. Eine Bestrahlung außerhalb der vorher festgesetzten Atemlage sei somit nicht möglich – und der Schutz für Herz und Lunge so am besten gegeben.

 

Brustkrebs – häufigste Krebserkrankung bei Frauen
Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Doch wird der Krebs rechtzeitig erkannt, sind die meisten Fälle gut therapierbar. Häufig werden in der Therapie verschiedene Methoden kombiniert, eine ist die Bestrahlung. Die Strahlentherapie im Klinikum Bremen-Mitte setzt beim Mammakarzinom auf eine besonders schonende und innovative Strahlentherapie – vor allem, um das Herz zu schützen.

Dr. Silke Frick
Vor dem tiefen Einatmen ist das Herz (Mitte) noch sehr nah an der Brustwand…
…durch das tiefe Eintamen füllt sich die Lunge mit Luft und dehnt sich aus. Dadurch entfernt sich das Herz gleichzeitig von der Brustwand. So kann eine herz- und lungenschonende Bestrahlung der Brust problemlos durchgeführt werden.

 

Strahlentherapie im Klinikum Bremen-Mitte
Die Strahlentherapie im Klinikum Bremen-Mitte setzt sich zusammen aus einem ambulanten und einem stationären Bereich: Im Fachärztezentrum Hanse, Fachbereich Strahlentherapie finden ambulante und stationäre Bestrahlungen statt, im Klinikum nimmt die interdisziplinäre Bettenstation Bestrahlungs-Patientinnen und Patienten stationär auf.

 

Hier geht es direkt zur Seite der Strahlentherapie und zum Fachärztezentrum Hanse des Klinikums Bremen-Mitte

Doppelte Auszeichnung für Stroke Unit

In der Stroke Unit des Klinikums Bremen-Nord werden im Jahr etwa 800 Schlaganfallpatienten versorgt. Nun wurde die Klinik erstmals für seine Spezialeinheit von der Deutschen Schlaganfallgesellschaft und der European Stroke Organisation ausgezeichnet.
Lesen Sie mehr

Die Bilder vom Umzug der Hautklinik

Die Hautklinik ist vom Klinikum Bremen-Mitte ins Klinikum Bremen-Ost gezogen. Die Bilder vom Umzug findet ihr hier in unserer Galerie
Lesen Sie mehr

Kinderklinik: Das ist unser Krankenhaus-Hund Fiete

Er kann trösten, kuscheln und ablenken. Krankenhaus-Hund Fiete ist überall im neuen Eltern-Kind-Zentrum Prof. Hess zu finden. Gezeichnet hat ihn die Bremer Künstlerin Bettina Bexte. Hier stellt sich Fiete nun vor.
Lesen Sie mehr

Wie gut lässt sich Darmkrebs im hohen Alter behandeln?

Darmkrebs tritt in hohem Alter häufig aus, ist aber auch dann gut behandelbar. Das zeigt die Geschichte der Bremerin Eleonore Meyer zum Darmkrebsmonat März. Entscheidend ist, das der Tumor rechtzeitig erkennt wird.
Lesen Sie mehr

So funktioniert die Kinderchirurgie im neuen Elki

Vom Beinbruch bis zur Fehlbildung: Das Kinderchirurgie-Team ist auf eine besonders große Bandbreite an Operationen spezialisiert. Chefarzt Prof. Lorenz erklärt, worauf es dabei besonders ankommt. 
Lesen Sie mehr
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Informationen zum Datenschutz finden Sie unter: https://gesundmalvier.de/impressum/

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen