Ab wann ist man eigentlich alt?

Mit dem Altwerden verbindet man meist negative Aspekte. Doch was ist Altern überhaupt? Und ab wann ist man eigentlich alt?

VON TIMO SCZUPLINSKI

So viel vorweg: Alt ist man erst mit 75. So hat es jedenfalls die Welt-Gesundheits-Organisation (WHO) festgelegt. Wer die 90 knackt, ist nicht mehr alt, sondern schon ein Hochbetagter. Ab dem 100. Lebensjahr gilt man als Langlebiger. Und dann wäre da noch die Gruppe der 60- bis 74-Jährigen. Noch keine alten, aber laut WHO die sogenannten älteren Menschen.

Was sie eint, ist, dass ihr Körper abbaut. Mal mehr, mal weniger schlimm – hinzu kommt die höhere Anfälligkeit für Krankheiten. Wen es erwischt, der braucht länger, um wieder auf die Beine zu kommen. In dem Moment, wenn der Körperabbau in Kombination mit einer Krankheit im Vordergrund steht, ist die Altersmedizin – im Fachjargon Geriatrie – die richtige Disziplin im Krankenhaus.

In den geriatrischen Kliniken im Klinikum Bremen-Ost und im Klinikum Bremen-Nord hat man das Ziel, dass ältere Patienten möglichst schnell und gut in den Alltag zurückfinden. „Begleiterkrankungen wie Demenz, Diabetes aber auch die normalen Altersbeschwerden wie die abnehmende Beweglichkeit erschweren die Rückkehr in das gewohnte Umfeld“, sagt Dr. Thomas Hilmer, Chefarzt der Klinik für Geriatrie, Physikalische Medizin und Rehabilitation am Klinikum Bremen-Ost. Mit der steigenden Lebenserwartung der Menschen nehme die Altersmedizin einen wichtigeren Stellenwert im Krankenhaus ein.

 

Ab 60 kommt die Schwerhörigkeit

Das Alter fällt den meisten Menschen erst einmal an Äußerlichkeiten auf. An faltiger Haut, ergrauten Haaren, einem gebückten Gang. Doch vor allem der Betroffene selbst merkt, dass das Altern ein ganzheitlicher Prozess ist und auch im Innern abläuft. Organe werden schlechter durchblutet, ihre Leistungsfähigkeit nimmt ab.

Die Knochen werden instabiler. Muskeln bilden sich zurück. Das Herz-Kreislauf-System arbeitet schlechter. Ab dem 60. Lebensjahr setzt etwa die Altersschwerhörigkeit ein. Ab dem 80. Lebensjahr ist bereits jeder zweite davon betroffen. Hinzu kommen Erkrankungen, die das Sehen beeinträchtigen. Allesamt Dinge, die das Leben nicht unbedingt schöner machen.

Dr. Rudolf Siegert
Dr. Thomas Hilmer
Dr. Amit Choudhury

„In der Geriatrie beschäftigen wir uns sehr mit den negativen Auswirkungen des Alterns und deren Ursachen“, sagt Chefarzt Dr. Rudolf Siegert, der die Geriatrie-Klinik am Klinikum Bremen-Ost gemeinsam mit Dr. Hilmer leitet.

Aber natürlich bedeute Altern mehr als nur Krankheit und Rückschritt. Man könne das Alter genauso gut mit Erfahrung und Besonnenheit charakterisieren. Die Altersmedizin sucht nach Wegen, den Verlust von Fähigkeiten zu verhindern und sie möglichst lange aufrechtzuerhalten. Damit der Patient wegen einer eher normalen Erkrankung in der Folge nicht zum Pflegefall wird.

 

Aber was passiert beim Altern? „Es ist ein fortschreitender, nicht umkehrbarer biologischer Prozess, der mit dem Tod endet“, sagt Dr. Amit Choudhury, Chefarzt der Klinik für Geriatrie und Frührehabilitation am Klinikum Bremen-Nord. Ein vor allem physiologischer Vorgang also und elementarer Bestandteil des Lebens. „Es ist aber auch eines der am wenigsten verstandenen Phänomene der Biologie“, sagt Choudhury.

 

Schneller Stoffwechsel, kürzeres Leben?

Es gebe verschiedene Alterstheorien, nach denen zum Beispiel nur eine bestimmte Anzahl von Zellteilungen möglich sei (Zelluläre Uhr) oder ein schneller Stoffwechsel auf ein kürzeres Leben schließe. Es wurden bereits Gene identifiziert, die Einfluss auf die Langlebigkeit von Zellen haben. Wodurch man sagen kann, dass Nachkommen hoch betagter Menschen durch ihre genetischen Voraussetzungen auch eine höhere Lebenserwartung haben können.

KLINIKUM BREMEN-OST
Klinik für Geriatrie, Physikalische Medizin und Rehabilitation
Züricher Str. 40
28325 Bremen
Fon 0421 408 2516
Ulrike.Brandt@klinikum-bremen-ost.de

________________________

KLINIKUM BREMEN-NORD
Klinik für Geriatrie und Frührehabilitation
Hammersbecker Str. 228
28755 Bremen
Fon 0421 6606 1801
amit.choudhury@klinikum-bremen-nord.de

 

„Neben den körperlichen und geistigen Auswirkungen des Alterns dürfe man aber auch den sozialen Aspekt nicht vernachlässigen“, betont Dr. Rudolf Siegert. Es gebe Menschen, die sich auch im Alter nach dem Gefühl des Gebrauchtwerdens sehnen. Andere dagegen fühlten Zufriedenheit, sich nach und nach aus dem sozialen Leben zurückzuziehen. Das komme sehr auf den Typ an. Weniger auf das Alter.

Die Altersmedizin ist das Schwerpunktthema in der 6. Ausgabe unseres Patientenmagazins “gesund mal 4”. Darin erfahren Sie mehr über die geriatrischen Angebote im Klinikverbund Gesundheit Nord. Die gedruckte Variante finden Sie in unseren vier Krankenhäusern sowie Apotheken, Arztpraxen, Pflegeeinrichtungen und Sanitätshäusern in Bremen und umzu. Eine Download-Möglichkeit gibt es ab Dienstag, 12. Juni, auf www.gesundmalvier.de.

Bilder vom Umzugsstart ins neue Kinderkrankenhaus

Der Umzug ins Eltern-Kind-Zentrum Prof. Hess hat begonnen. Bis zum 7. März 2021 sind Kinderheilkunde, Kinderchirurgie und Kindernotaufnahme dann unter einem Dach vereint. Wir waren zum Start mit der Kamera dabei.
Lesen Sie mehr

Klinikum Bremen-Mitte mit neuer Leitung

Mit Dr. Andrea Bronner übernimmt eine gebürtige Bremerin und erfahrene Krankenhausmanagerin die Position der geschäftsführenden Direktorin in Bremens größtem Krankenhaus.
Lesen Sie mehr

Neues Kinderkrankenhaus: Umzug ins Elki steht bevor

Das Eltern-Kind-Zentrum Prof. Hess – kurz Elki – ist eines der größten Kinderkrankenhäuser Deutschlands mit vielen hochspezialisierten Bereichen. Ende Februar gehen die neuen Bereiche in Betrieb.
Lesen Sie mehr

Augenhornhaut, Plazenta und Herzklappe – wie Gewebespenden genutzt werden

In den Krankenhäusern der Gesundheit Nord haben 2020 insgesamt 250 Menschen ihr Gewebe gespendet. Dazu gehören zum Beispiel die Augenhornhaut, Herzklappen und Amnion (Plazenta). Aber wie genau können die Gewebespenden anderen Menschen helfen? Wir geben einen Überblick.
Lesen Sie mehr

“Elki”-Start rückt näher – Umzug der Kindernotfallambulanz

In wenigen Wochen wird das neue Eltern-Kind-Zentrum auf dem Gelände des Klinikums Bremen-Mitte den Betrieb aufnehmen. In einem ersten Schritt wird nun die Kinder-Notfallambulanz aus dem Klinikum Links der Weser zum 1. Februar 2021 an das Klinikum Bremen-Mitte ziehen.
Lesen Sie mehr
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Informationen zum Datenschutz finden Sie unter: https://gesundmalvier.de/impressum/

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen