Das Zentrum im Blick – wie unser Bauch funktioniert

Unser Bauch erfüllt unzählige Aufgaben. Manchmal entscheiden wir sogar nach unserem Bauchgefühl. Doch was passiert, wenn er krank wird?

VON STEFANIE BECKRÖGE

Er befindet sich zwischen Brustkorb und Becken. In ihm liegen viele ebenso empfindliche wie lebenswichtige Organe, darüber viele Muskeln und oft sitzt auch gerade dort das meiste Fett – die Rede ist vom Bauch. Bei vielen von uns findet der Bauch nur im Zusammenspiel mit einem stirnrunzelnden Blick nach unten Erwähnung. Dabei spielen sich dort wichtige Prozesse ab. Zum Beispiel die gesamte Verdauung. Und – ob groß oder klein, eher kurvig oder schlank – der Bauch kann uns sagen, ob wir ein gutes oder schlechtes Gefühl haben, ob der Stress zu viel wird oder mal wieder etwas schwer im Magen liegt.

Der Bauch ist unser Zentrum. Unsere Bauchdecke schützt die lebenswichtigen Organe in der Bauchhöhle. Im Bauch, genauer im Darm, befindet sich ein wichtiger Teil unseres Immunsystems. Und im Bauch entsteht neues Leben. Nur durch die Bauchmuskeln können wir uns beugen und aufrichten, andere Muskeln sorgen für die kontrollierte Entleerung der Blase und des

Darms. Also – es gibt genug Gründe, den Bauch genauer zu betrachten. Leider ist unser Bauchraum auch ein Ort, an dem viele Krankheiten entstehen können – akute und chronische und auch solche, für die man gar keine organische Ursache findet. Das gibt es bei Kindern und Erwachsenen gleichermaßen und bedeutet keineswegs, dass man sich die Schmerzen nur einbildet. „Wohlgefühl als auch Unwohlsein nehmen wir über den Bauch wahr“, sagt Dr. Dr. Peter Bagus, Chefarzt der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Klinikum Bremen-Ost. Dass Stress und psychische Störungen auf den Magen oder Darm schlagen können, sei heute kein Geheimnis mehr, so Bagus: Auch wenn Vieles zwischen Körper und Geist wissenschaftlich

noch gar nicht geklärt sei, wisse man heute, dass es zwischen unserem Gehirn und unserem Bauch über das Nervensystem einen regen Austausch gebe. So sei auch das „Bauchgefühl“ ein wichtiges Signal bei Entscheidungen und der Erkenntnis, dass etwas mit einem „nicht stimme“. „Ob bei Angststörungen

oder Burn-out – oft sind gerade Magen und Darm mit betroffen“, erklärt Bagus. Und da setze auch die psychosomatische Therapie an. Die Rolle des Austausches zwischen Gehirn und Bauch bestätigt auch Dr.

Martin Claßen, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Links der Weser. „Bei der Behandlung von nicht organisch bedingten funktionalen Bauchschmerzen versuchen wir die Kinder aus dem Teufelskreis ‚Schmerz–Schmerzgedächtnis–Stress–Schmerz‘ herauszuholen.“ Besonders wichtig für ihn sei, dass auch die Eltern wüssten, dass die Schmerzen wirklich da seien.

„Wenn Schmerzen im Bauchraum nicht nach einiger Zeit von selbst wieder verschwinden, beispielsweise nach einem Magen-Darm-Infekt oder zu schwerem Essen, sollte man immer den Arzt aufsuchen“, sagt auch Prof. Dr. Johann Ockenga, Chefarzt der Medizinischen Klinik II am Klinikum Bremen-Mitte. Wer über einen längeren Zeitraum Krämpfe, Blähungen oder Verdauungsprobleme habe, müsse die abklären lassen. Dafür gebe es heute schonende Diagnoseverfahren wie Abstriche und Ultraschall. „Und auch Magen- und Darmspiegelungen bieten keinen Anlass mehr, um aus Angst vor der Untersuchung Symptome einfach hinzunehmen“, so Ockenga.

 

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