Diagnose Mandelkrebs

Heinz Peter Klinker litt an Mandelkrebs im fortgeschrittenen Stadium. Die Erkrankung wurde spät entdeckt und doch besiegt. Damit er heute wieder essen und trinken kann, wurden ihm Hautlappen und Gefäße vom Unterarm verpflanzt.

VON STEFANIE BECKRÖGE

Heinz Peter Klinker kann wieder lachen. Für ihn keine Selbstverständlichkeit: Der 58-Jährige litt an Mandelkrebs im fortgeschrittenen Stadium. Die Erkrankung wurde spät entdeckt. Drei Monate lang wurde er fälschlicherweise wegen einer Lymphdrüsenentzündung behandelt. Erst in der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde am Klinikum Bremen-Mitte entdeckten die Ärzte seine Krankheit auf Anhieb – und konnten ihm mit einer ungewöhnlichen Operationsmethode helfen. Die Klinik ist von der Deutschen Krebsgesellschaft als einziges „Hals-Kopf-Tumor-Zentrum“ in Bremen und Niedersachsen zertifiziert und auf Fälle wie diese spezialisiert.

„Wir haben den Anspruch, jedem Patienten innerhalb von acht bis zehn Tagen eine umfassende Diagnose mit Therapieempfehlung zu bieten“, sagt Klinikdirektor Prof. Dr. Andreas Naumann. So war es auch bei Heinz Peter Klinker. Nach den Voruntersuchungen wurde sein Fall in der regelmäßigen Tumorkonferenz des Klinikums diskutiert. An dieser Konferenz nehmen Krebsspezialisten aller Disziplinen teil. Das Ergebnis: Klinker bekam eine ausführliche Diagnose sowie die Empfehlung, sich operieren zu lassen – mit anschließender Bestrahlung und Chemotherapie. Wenige Tage später folgte der über zwölf Stunden dauernde Eingriff, bei dem der Tumor, aber auch Lymphdrüse und angegriffenes Muskelgewebe entfernt werden mussten.

Nicht nur für Laien klingt die OP-Methode spektakulär: Um die Operationsstellen zu verschließen, entnahm ein zweites Operations-Team parallel einen Hautlappen und Gefäße am Unterarm. Beides wurde in den Halsbereich implantiert, um zu gewährleisten, dass der Patient später keine Probleme beim Essen und Trinken bekommt und wieder normal sprechen kann. Die Fläche am Unterarm verschlossen die Ärzte wiederum mit Haut aus dem Oberschenkel. Dieses aufwändige Verfahren bieten nur wenige Kliniken an. Aber die Lebensqualität für die Patienten sei nach der Heilung um ein Vielfaches höher und rechtfertige alle Mühe, so Hals-Nasen-Ohren-Spezialist Naumann.

Dabei steigt die Zahl der Menschen mit Kopf-Hals-Tumoren seit Jahren. Zwischen 12.000 und 15.000 Neuerkrankungen gibt es allein in Deutschland jedes Jahr. Bei Männern sind diese Tumore schon die fünfthäufigste Todesursache. Laut Prof. Naumann haben viele der Betroffenen vorher geraucht oder in erheblichem Maße Alkohol getrunken.

Todesursache Kopf-Hals-Tumore

Kopf-Hals-Tumore sind bei Männern die fünfthäufigste Todesursache. Viele der Betroffenen haben in den Jahren zuvor häufig geraucht oder regelmäßig in erheblichem Maß Alkohol getrunken.

Nach der schweren Operation versetzten die Ärzte Heinz Peter Klinker in einen künstlichen Tiefschlaf, um den Heilungsprozess nicht durch Kopfbewegungen und Schlucken zu beeinträchtigen. Sprechen und Schlucken musste er erst wieder lernen. Aber Klinker schaffte es. „Der erste Kaffee war herrlich“, erinnert er sich. Nun beginnt er wieder Pläne zu machen: Klinker möchte, wie vor seiner Krankheit, wieder als selbstständiger Tagesvater arbeiten.

Prof. Andreas Naumann ist sehr zufrieden mit seinem Patienten – und mit seinem Team. „Solche Leistungen sind nur mit einem guten interdisziplinären Team aus Ärzten, Pflegern, Logopäden und Psychoonkologen zu schaffen“, sagt er. Und ohne dieses Team sei auch eine Zertifizierung gar nicht möglich gewesen, denn die Anforderungen der Deutschen Krebsgesellschaft seien enorm hoch. Heinz-Peter Klinker ist sich sicher, dass er von dem hoch spezialisierten Angebot profitiert hat. „Ich habe mich die ganze Zeit über sehr gut aufgehoben und beraten gefühlt“, sagt er.

Prof. Dr. Andreas Naumann

Andreas Naumann hat seine berufliche Laufbahn 1987 in München begonnen. Nach dem Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität hat er seine Facharztausbildung an der Uniklinik absolviert. 2006 wurde er leitender Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde der Universität des Saarlandes. Seit 2011 arbeitet Prof. Naumann nun als Direktor der HNO-Klinik am Klinikum Bremen-Mitte.

Mehr Infos zur HNO-Klinik am Klinikum Bremen-Mitte gibt es unter: Hals-Nasen-Ohren-Klinik

Pflege: Erfolgreicher Abschluss – trotz Corona

Die Pandemie hat gezeigt, wie dringend sie gebraucht werden. Und gleichzeitig hat es ihnen Corona alles andere als leicht gemacht: Dennoch haben 23 Pflegekräfte nun in der Gesundheit Nord ihre Fachweiterbildung erfolgreich abgeschlossen.
Lesen Sie mehr

Long Covid, PIMS, CFS – Wie sich Corona langfristig auswirken kann

Für Menschen, die eine Corona-Infektion durchgemacht haben, sind die Folgen noch lange spürbar. Was Long Covid, PIM-Syndrom und CFS genau bedeuten, erklärt Oberärztin Dr. Henriette Berger vom Klinkum Bremen-Ost.
Lesen Sie mehr

1000. Geburt in Bremen-Nord: Nach einer Stunde war Annastasia schon da

In dieser Woche hat das Kreißsaal-Team des Klinikums Bremen-Nord die 1.000 Geburt des Jahres betreut. Für das Krankenhaus ist es bisher ein besonders geburtenreiches Jahr. 
Lesen Sie mehr

Stickoxide, Feinstaub und Co. – „Die Last der Lunge bleibt weiterhin hoch“

Der Europäische Gerichtshof hat Deutschland verurteilt, weil in vielen Städten über Jahre die Stickoxid-Grenzwerte deutlich überschritten wurden. Aber wie wirkt sich der Luftschadstoff konkret auf die Gesundheit aus? Und welchen Risiken ist die Lunge sonst noch im Alltag ausgesetzt?
Lesen Sie mehr

Bessere Entwicklung durch Muttermilch – Gesundheit Nord gründet Frauenmilchbank

Frühgeborene sollen möglichst ohne künstliche Nahrung versorgt werden – doch nicht alle Mütter haben von Beginn an ausreichend eigene Muttermilch. Die Gesundheit Nord hat deshalb nun eine Frauenmilchbank ins Leben gerufen. 
Lesen Sie mehr
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Informationen zum Datenschutz finden Sie unter: https://gesundmalvier.de/impressum/

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen