Engere Zusammenarbeit von Pflege und Medizin

Das Klinikum Links der Weser ist das bundesweit erste akademische Lehrkrankenhaus, das eine interprofessionelle Ausbildungsstation auf die Beine gestellt hat. Gerade die Zusammenarbeit von Pflege und Medizin steht dabei in einem besonderen Fokus.

VON TIMO SCZUPLINSKI

Hans-Jürgen Balz hat eine schwere Operation hinter sich. Viele Tage musste er im Klinikum Links der Weser stationär behandelt werden. „Ich war seit 70 Jahren zum ersten Mal im Krankenhaus“, sagt der Bremer. „Das war schon eine besondere Situation für mich.“ Außergewöhnlich war sein Aufenthalt aber noch aus einem anderen Grund. Denn betreut wurde Balz in dieser Zeit vornehmlich von Pflegeschülerinnen der Bildungsakademie der Gesundheit Nord und Medizinstudenten in ihrem Praxis-Jahr. Ein Teil der Station 32 der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Unfallchirurgie im Klinikum Links der Weser ist für den kompletten Februar nämlich zu einer besonderen Ausbildungsstation geworden. Angehende Pfleger und Mediziner trainieren das Zusammenarbeiten hier so, wie das sonst in der Ausbildung im Krankenhaus bisher selten der Fall ist.

„Die Kommunikation und das Zusammenspiel zwischen Medizin und Pflege ist im Stationsalltag oft noch ausbaufähig“, sagt Dr. Swantje Wienand, die als Projektverantwortliche das Projekt mit dem Namen BIPSTA (Bremer Interprofessionelle Ausbildungsstation) gemein-sam mit Stationsleitung Elke Dannecker leitet. Das Klinikum Links der Weser ist nun das erste akademische Lehrkrankenhaus in ganz Deutschland, das sich an dieses Projekt heran-gewagt hat. Ein paar wenige Beispiele gibt es bundesweit bislang nur an Universitätskliniken wie etwa in Heidelberg. Die angehenden Ärzte und Pfleger arbeiten auf einer echten Krankenhausstation dabei weitgehend eigenverantwortlich. Unterstützt und begleitet werden sie dabei von Oberärzten und Praxisanleitern. Die Auszubildenden sollen durch die enge Zusammenarbeit voneinander profitieren und sich so besser in die Lage und Anforderungen des anderen hineinversetzen. „Wir sind überzeugt, dass wir auf diesem Weg noch bessere Mediziner und Pfleger ausbilden können. Und davon profitieren letztlich vor allem auch die Patienten“, sagt Dr. Swantje Wienand.

Die praktische Ausbildung samt Vorbereitung auf die Prüfungen läuft für angehende Pfleger und Mediziner bislang weitgehend getrennt voneinander ab. „Dabei wird es in Zukunft immer mehr darauf ankommen, wie gut gerade interprofessionell – also unter Ärzten, Pflegern und allen, die unsere Patienten mitbehandeln – kommuniziert wird“, sagt Dr. Swantje Wienand. Genau darauf werde beim BIPSTA-Projekt ein großer Schwerpunkt gelegt. Die Azubis und Studenten teilen sich beispielsweise das Dienstzimmer, machen gemeinsame Übergaben, und auch die Visiten werden von Medizinstudenten und Pflegeschülern gemeinsam gemacht. „Dieses Zusammenspiel ist wichtig. Und so verringert man das Risiko, dass Pflege und Medizin aneinander vorbei arbeiten“, sagt Dr. Swantje Wienand.

Was nun im kleinen Rahmen in Bremen begonnen hat, soll mittelfristig die Ausbildung von Medizinern und Pflegekräften möglichst bremen-, am besten sogar bundesweit verändern – das wünschen sich nicht nur die Projektverantwortlichen. „Die gelungene Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Professionen ist enorm wichtig für eine gute Patientenversorgung. Wir planen das auch in die zukünftigen Staatsexamina aufzunehmen und zu prüfen. Deswegen unterstützen wir die Etablierung solch eines Modells bundesweit. In Bremen ist damit ein sehr guter Anfang gelungen“, sagt Professorin Jana Jünger, Direktorin des Instituts für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen. Im Masterplan Medizinstudium 2020 wurde ihr Institut beauftragt, die zukünftigen Staatsexamina stärker an den Bedürfnissen der Patienten auszurichten und den Praxisbezug zu stärken. Das BIPSTA-Projekt spielt dabei eine zentrale Rolle.

“In Bremen ist damit ein sehr guter Anfang gelungen.”

Prof. Jana Jünger

“Es wird immer mehr darauf ankommen, wie gut gerade interprofessionell kommuniziert wird.”

Dr. Swantje Wienand

Und wie kommt das Projekt bei den Patienten an? „Für mich hat es im Grunde keine Rolle gespielt, von wem ich betreut und behandelt wurde“, sagt Patient Hans-Jürgen Balz. Er habe großes Vertrauen in die angehenden Mediziner und Pfleger gehabt. „Und das war auch vollkommen gerechtfertigt“, sagt Balz. Rückmeldungen wie diese hätte das Stationsteam bislang viele erhalten. „Und so soll es weitergehen“, sagt Projektleiterin Wienand. Die nächste BIPSTA-Station am Klinikum Links der Weser sei bereits für dieses Jahr geplant.

Hier geht es zum Karriereportal der Gesundheit Nord

 

Hier geht es zum einem TV-Bericht von RTLNord über das BIPSTA-Projekt

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