Lärm auf Station: Es geht auch leiser

Auch im Krankenhaus spielt die Geräuschkulisse für Patienten und Angestellte eine wichtige Rolle. Fachkrankenpfleger Andreas Schneider erforscht den Lärm auf der Intensivstation – und hat so für ein Umdenken im Klinikum Links der Weser gesorgt.

VON MELANIE WALTER

 

Gespräche an offenen Türen, Zurufe und laute Schritte auf den langen Fluren, dazu Lüftungsgeräusche, zufallende Türen und das ständige Piepen und Surren von medizinischen Geräten. Es kam einiges zusammen, was Patienten sich anhören mussten. Deshalb fällt Andreas Schneiders Bilanz für den Alltag in Sachen Lärm auf der Intensivstation am Klinikum Links der Weser eindeutig aus. „Wir haben uns absolut nicht lärmschonend verhalten“, sagt der Fachkrankenpfleger, der das Thema für seine Abschlussarbeit der Fachweiterbildung aufgegriffen hatte.

Ein Kamera-Team von NDR Visite hat Andreas Schneider bei einer Nachtschicht auf der Intensivstation begleitet. Zur 15-minütigen Reportage kommen Sie per Klick auf das Bild.

Andreas Schneider befragte 2015 über zwei Monate insgesamt 30 Patienten nach ihrem Lärmempfinden auf der Intensivstation. 18 von ihnen teilten mit, dass sie vor allem Gespräche des Personals am Zimmereingang als störend empfanden. Der Fachpfleger setzte sich schließlich selbst bei den zehn Patienten, die die meisten Störfaktoren genannt hatten, morgens und mittags direkt ans Bett. Mit einem Dezibel-Messgerät prüfte er je 30 Minuten lang den tatsächlichen Lärmpegel. Auch welche Geräusche er wahrnahm, notierte er.

Die Recherche endete nicht im Klinikum. „Lärm hat noch keine große Bedeutung in Bezug auf Krankenhausaufenthalte“, sei eine Aussage des Umweltbundesamtes gewesen, erzählt Schneider. Dass Lärm häufig als störend empfunden werde, manch einen beunruhige, sogar Angst machen könne und so oft die Gesundheit oder Genesung beeinträchtige, ist nichts Neues. Nur hatte sich das bislang kaum jemand im Krankenhaus in Bezug auf die eigenen Patienten bewusst gemacht, sagt Schneider.

Seine Untersuchung hat dies verändert, zumindest auf der Intensivstation im Klinikum Links der Weser. Patienten können sich nun Kopfhörer aufsetzen, die Nebengeräusche ausblenden. Positiver Nebeneffekt: „Patienten werden auf diese Weise nach der OP auch ruhiger und können häufig früher verlegt werden“, sagt Schneider. Lärmampeln  hängen auf allen Fluren. Sie leuchten rot, wenn es zu laut ist. Zwei Patientenzimmer wurden zu Lagerräumen umfunktioniert, weil sie neben der Spüle und dem Aufzug lagen.

Beschäftigen sich mit dem Lärm auf der Intensivstation: Andreas Schneider, Dr. Jörg Ahrens und Nils Weseloh.

Zudem ist eine Arbeitsgruppe um Andreas Schneider entstanden, die bereits zwei Testreihen zum Einsatz der Kopfhörer angeschoben hat. Die Gruppe klärt das Team auch über Möglichkeiten auf, Lärm zu vermeiden. „Viele Kollegen waren wohl selbst genervt vom Lärm hier“, sagt Schneider. Sein Kollege Nils Weseloh, Oberarzt Dr. Jörg Ahrens und er treffen sich in ihrer Freizeit zu dem Thema Lärm. „Wir haben ein eigenes Interesse und unsere Ideen finden großen Anklang im Team“, berichtet Schneider.

Seine Ergebnisse haben über das Klinikum Links der Weser hinaus bereits Interesse geweckt: In der Fachzeitschrift „Intensiv“ wurden sie veröffentlicht, auch die Universität Osnabrück hätte gerne Einblick in seine Arbeit. Schneider selbst konzentriert sich auf die Arbeit am Klinikum Links der Weser. „Hier haben wir noch genug zu tun.“

Dass Lärm häufig als störend empfunden wird und so oft die Gesundheit oder Genesung beeinträchtigt, ist nichts Neues. Nur hatte sich das bislang kaum jemand im Krankenhaus in Bezug auf die eigenen Patienten bewusst gemacht.

Andreas Schneider

Fachkrankenpfleger

Zur Person

Andreas Schneider kommt aus Lastrup bei Cloppenburg. Die Ausbildung zum Krankenpfleger absolvierte er im Franziskus-Hospital Harderberg in Osnabrück, seit 2004 arbeitet er im Klinikum Links der Weser in Bremen. 2010 wechselte er dort auf die Intensivstation, 2015 schloss er die Fachweiterbildung Intensivpflege und Anästhesie ab.
Zur Intensivstation im Klinikum Links der Weser geht es hier>>

Reportage: Pflege in der Kinderklinik

Babys, Kleinkinder, Teenager, Notfälle. Die K2 der Kinderklinik in Bremen-Nord ist eine Station mit einem besonders breiten Spektrum an Krankheiten und Altersstufen. Wir haben das Stationsteam bei einer Schicht begleitet.
Lesen Sie mehr

Wie funktioniert der Springerpool in der Pflege?

Fest angestellt sein und Arbeitszeiten trotzdem selbst bestimmen. Der zentralen Springerpool bietet Fachpflegekräften eine besondere Möglichkeit zu einem verlässlichen Dienstplan und einem abwechslungsreichen Aufgabengebiet. Eine Springerin gibt einen Einblick.
Lesen Sie mehr

Der doppelte Chefarzt vom Klinikum Bremen-Ost

Im Klinikum Bremen-Ost befindet sich gerad einiges im Wandel. Neue Intensivstation, modernes Aufnahmezentrum. Und nun ein Wechsel an der Spitze der Inneren Medizin. Dr. Oliver Müssig ist seit Juni Nachfolger von Prof. Dr. Rainer Porschen.
Lesen Sie mehr

Neuer Chefarzt für die Prof.-Hess-Kinderklinik

Dr. Martin Claßen ist seit diesem Monat neuer Chefarzt der Prof.-Hess-Kinderklinik am Klinikum Bremen-Mitte. Damit folgt er auf Prof. Dr. Hans-Iko Huppertz, der nach 40 Jahren in der Kinder- und Jugendmedizin in den Ruhestand geht.
Lesen Sie mehr

Klinikum Bremen-Ost: Intensivarzt wird unverhofft zum Geburtshelfer

Die Nachtschicht von Dr. Saemy Bouyanzar war fast vorüber, da wurde der Intensiv- und Notarzt aus dem Klinikum Bremen-Ost unverhofft zum Geburtshelfer. Eine Frau brachte ihr Baby im Auto vor dem Krankenhaus zur Welt. Wie Bouyanzar die Situation erlebte lesen Sie hier.
Lesen Sie mehr

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Informationen zum Datenschutz finden Sie unter: https://gesundmalvier.de/impressum/

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen