Ferienbetreuung: Reisende Räuber und komische Dialoge

Theater und Schauspiel standen im Mittelpunkt der ersten Ferienbetreuungswoche im Klinikum Bremen-Nord. Wir haben uns angeschaut, was die Kinder mit dem Bremer Schauspieler und Workshop-Leiter Christian Bergmann (Shakespeare Company) auf die Beine gestellt haben.

VON TIMO SCZUPLINSKI (TEXT) UND KERSTIN HASE (FOTOS)
Schauspielübungen im Klinikum Bremen-Nord: Auf der kleinen Bühne proben die jungen Teilnehmer mit Christian Bergmann die kleinstmöglichen Theater-Dialoge. Am Ende der vergangenen Woche führen sie dann sogar ein großes Theaterstück auf.

„Willst du ein Eis?“ fragt Mila ihr Gegenüber Mara. Doch statt eines Lächelns kassiert sie eine Abfuhr. „Das macht mich richtig wütend!“, sagt Mara genervt. Beide gehen aneinander vorbei. Ähnlich ist es ein Stückchen weiter bei Keno und Piet. „Wie spät ist es?“ fragt der eine. „Darauf wäre ich nicht gekommen!“, antwortet der andere etwas patzig. Diese zunächst eher sinnfrei klingenden Dialoge haben durchaus ihre Bedeutung. „Frage. Antwort. Das sind die kleinstmöglichen Theaterszenen“, sagt Christian Bergmann. Und gerade durch den krassen Kontrast entfalten die Mini-Dialoge auf der Bühne ihre Wirkung beim Publikum – Überraschung und Komik. Christian Bergmann ist Schauspieler und Regisseur – erst im Schnürschuh-Theater, heute in der Shakespeare Company in Bremen. Im Rahmen der Ferienbetreuung des Klinikums Bremen-Nord hat er nun etwa 30 Kindern praktische Einblicke in die Theater- und Schauspielwelt gegeben.

Das Ferienangebot des Krankenhauses in Bremen-Blumenthal gibt es bereits seit mehr als zehn Jahren – in erster Linie für Mitarbeiter-Kinder. Wenn dann noch Plätze frei sind, dürfen auch andere Familien aus Bremen und umzu ihre Kinder anmelden. Jedes Mal setzt Organisatorin Marion Kubena vom Klinikum Bremen-Nord neue thematische Schwerpunkte. Eine Zirkusschule gab es schon, Selbstverteidigungs-Workshops auch. Dieses Mal nun also Schauspiel. Und das stellt Christian Bergmann, seit zehn Jahren der Hamlet

in der Shakespeare Company, auch als erfahrenen Schauspieler und Workshop-Leiter vor neue Herausforderungen. Nicht nur die Aufgabe, die etwa 30 Kinder mit der Unterstützung zweier Kolleginnen binnen kürzester Zeit zu einer Gruppe zu formen, hat es in sich. Auch die Altersspanne der Teilnehmer ist groß und reicht von sechs bis zwölf Jahre. „Die jüngeren brauchen meist noch etwas klarere Anleitungen, was sie machen sollen, die älteren dagegen können schon ziemlich gut improvisieren“, sagt Bergmann.

Vier volle Tage hatten sie zusammen Zeit, um ihre Vorführung für den fünften Tag – das Ende der ersten Ferienwoche – vorzubereiten. Passend zum 200. Geburtstag der Stadtmusikanten ging es dabei um das berühmte Bremer Märchen – aber dieses Mal auf ganz andere Weise. „Wer sagt denn eigentlich, dass die Räuber, die von den Tieren vertrieben werden, wirklich böse Räuber sind? Das wird ja eigentlich nur so im Märchen behauptet“, hinterfragt Christian Bergmann. Die Kinder übernehmen in ihrem Stück deshalb also die Rolle der gebeutelten Räuber, die nicht mehr in das von den Stadtmusikanten besetzte Haus hineinkommen – und deshalb nach Bremen-Nord wandern.

„Die Kinder haben in dieser Woche richtig was auf die Beine gestellt“, sagt Bergmann anerkennend. Und die Vorführung der jungen Schauspieler vor den Augen ihrer Eltern bringt am Ende tosenden Applaus – es ist der aufregende Höhepunkt und der passende Abschluss der Theaterwoche am Klinikum Bremen-Nord.

 

Restplätze für dritte Ferienwoche

Die Kinderferienbetreuung im Klinikum Bremen-Nord richtet sich an Kinder ab 6 Jahren. Das Programm geht in dieser Woche mit der Biologischen Station Osterholz weiter. Für die dritte Ferienwoche (22. bis 26. Juli; Schwerpunkt: Selbstverteidigung mit Tim Warncke, Ritterhude) gibt es noch wenige Restplätze. Anmeldungen aus Bremen und umzu sind möglich bei Marion Kubena über Tel. 0421 6606 1481.

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