Kann man seine Augen trainieren? Interview mit einem Augenarzt

Im Alter steigt die Gefahr, dass die Augen erkranken. Aber auch schon in jungen Jahren müssen unsere Augen ganz schön was aushalten. Dr. Erik Chankiewitz gibt Tipps, wie wir unsere Augen entspannen können.

Herr Dr. Chankiewitz, wie sorgsam gehen die Leute eigentlich mit ihren Augen um?
Dr. Erik Chankiewitz: Unsere Augen reagieren im Alltag ja auf unglaublich viele Reize. Ob man will oder nicht. Sie nehmen genau wahr, was sich um uns herum abspielt und bewegt. Gerade in einem städtischen Umfeld kommt da einiges zusammen. Verkehrssituationen, das Gewusel im Supermarkt, Reklame, die um unsere Aufmerksamkeit wirbt. Alles von dem, was um uns herum passiert, nehmen wir mit unseren Sinnen unterbewusst wahr und verarbeiten diese Informationen.
Das Sehen spielt da natürlich eine zentrale Rolle. Und den Augen wird da einiges abverlangt.

Haben Sie ein Beispiel?
Die Reize sind in den letzten Jahren vielfältiger geworden. Nehmen Sie allein die Mediennutzung: Wir fokussieren uns oft sehr auf unser Smartphone oder Tablet, versuchen gleichzeitig aber auch noch unsere Umgebung um im Blick zu haben, was meist scheitert. Insgesamt sind die Informationen, die verarbeitet werden sollen, mehr geworden. Gerade Kinder überfordert diese Flut an Reizen. Aber es gibt noch ein zweites Problem.

Welches?
Die kurze Distanz. Zu viel „Naharbeit“ der Augen ist nicht gut. Wenn insbesondere Kinder stundenlang vor Tablet, TV, PC oder Smartphone hängen, kann es zu einem vermehrten Augenlängenwachstum kommen. Sie werden also zunehmend kurzsichtig. Deshalb sollten Kinder viel draußen spielen, wo sie auch viel in die Weite blicken können und die Augen weniger einseitig nur über kurze Distanzen anstrengen.

Und wie ist es bei Erwachsenen?
Einseitige Sehreize sind auch für Erwachsene nicht unbedingt ideal. Doch bei ihnen werden weniger die Reizflut oder die Distanz ein Problem, sondern eher die hellen Displays – egal ob Smartphone, TV oder Tablet. Gerade in den Abendstunden. Das kann zu einer Desynchronisierung führen.

Was heißt das?
Der Tag-Nacht-Rhythmus gerät aus dem Gleichgewicht. Der Körper merkt nicht, dass es Nacht wird, schüttet weniger Melatonin, also Schlafhormone aus. Das geht auf Kosten der Erholung. Wir bleiben länger wach und sind morgens nicht gut genug ausgeruht, können uns weniger gut konzentrieren, sind schläfrig.

Also abends Handy aus?
Das wäre natürlich das Beste. Wer aber nicht auf die abendliche Lektüre verzichten mag, kann sein Smartphone auch so einstellen, dass weiße Schrift auf schwarzem Grund angezeigt wird. Das ist schon viel schonender für die Augen und besser
für den Tag-Nacht-Rhythmus.

Kann man sein Auge eigentlich trainieren?
Es gibt zwar Übungen, die helfen, die Augen vor allem bei einseitiger Belastung zu entspannen. Die Dioptrienzahl aber wird dadurch nicht erhöht. Jedoch haben Studien gezeigt, dass das Gesichtsfeld bei Menschen besser ausgeprägt ist,
wenn sie bestimmte Computerspiele gemacht haben, Reaktionsspiele etwa, die ruckartige Bewegungen der Augen erfordern. Dafür gibt es auch spezielle Programme. Das nennt man Sakkadentraining und kann gerade bei neurologischen Patienten in der Reha helfen, die nach einem Schlaganfall zum Beispiel Sehstörungen haben.

Gibt es heute mehr Augenerkrankungen als noch vor ein paar Jahrzehnten?
Mit großer Sicherheit gibt es heute sogar mehr Fälle als jemals zuvor. Und das, obwohl die Zahl der Augenverletzungen durch Unfälle zurückgegangen ist. So verhindern Verbundglasscheiben in Autos heute Glassplitterverletzungen. Und auch
der Arbeitsschutz in Risikoberufen ist viel besser geworden. Auch die Zahl der Infektionen wie etwa das sogenannte Trachom – eine bakterielle Entzündung – ist seltener geworden.

Und warum dann der Anstieg?
Die Bevölkerung wird älter und das Risiko an einem Glaukom (Grüner Star), einem Katarakt (Grauer Star) oder einer Makula-Degeneration (Netzhautablösung) oder Diabetes zu erkranken, steigt im Alter an. Deswegen gibt es heute mehr Krankheitsfälle als jemals zuvor, die wir allerdings mit immer besseren Behandlungsmethoden auch viel früher und erfolgreicher in den Griff bekommen können. Es gibt längst effektive Laserbehandlungen, Hornhauttransplantationen oder auch den künstlichen Ersatz wichtiger Augenbestandteile.

Das Gespräch führten Timo Sczuplinski und Stefanie Beckröge

Dr. Erik Chankiewitz ist Chefarzt der Augenklinik am Klinikum Bremen-Mitte. Mehr über die Behandlungsmethoden in der modernen Augenmedizin und Wissenswertes über unser Auge lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der gesund mal 4.

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