Kieferkorrekturen: Kleine Platte, großer Fortschritt

Es ist eine echte Bremer Erfindung. Mithilfe der “Rusty Plate” – einer kleinen, flexiblen  Titanplatte – sind Kieferkorrekturen heute viel besser möglich also noch vor wenigen Jahren. Und sie wird bereits in vielen Ländern eingesetzt.

VON STEFANIE BECKRÖGE (TEXT) UND KERSTIN HASE/TIMO SCZUPLINSKI (FOTOS)

 

Es ist nur ein winziges Teil – aber es macht vieles leichter. Für den Chirurgen und für den Patienten gleichermaßen. Prof. Dr. Dr. Jan Rustemeyer, Chefarzt der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie am Klinikum Bremen- Mitte, hat eine sogenannte Osteosyntheseplatte entwickelt, die die chirurgische Korrektur von Oberkieferfehlstellungen erleichtert. Bei dieser Bremer Erfindung handelt es sich um eine spezielle Miniplatte aus Titan. Offiziell trägt sie den Namen „Le Fort I Platte nach Prof. Rustemeyer“. Doch in vielen Ländern der Welt, in denen sie bei Kieferpatienten bereits eingesetzt wird, sprechen Fachleute einfach von der „Rusty Plate“ – also der „Rusty-Platte“.

„Die Platte ist im Vergleich zu den starren, bisherigen Modellen viel flexibler. Sie kann an jedes Gesicht perfekt angepasst werden“, sagt Prof. Rustemeyer. Die kleinen Arme des H-förmigen Teils lassen sich beliebig in die gewünschte Position biegen. Aber wann ist solch eine Platte überhaupt notwendig? Mehrere Tausend Mal im Jahr werden Menschen in Deutschland von Kieferchirurgen operiert, um Fehlstellungen der Kieferknochen auszugleichen. Dabei geht es darum, dass Ober- und Unterkiefer wieder optimal aufeinanderpassen. Manchmal ist zuvor ein überschießendes Wachstum einer der beiden Kiefer eingetreten oder ein Kiefer hat sich nicht weiterentwickelt. Das ist dann keinesfalls nur ein ästhetisches Problem. Bei manchen Betroffenen sind Abbiss- und Kaufunktionen gestört, andere können die Lippen nicht richtig schließen oder haben auf Dauer Schmerzen in den Kiefergelenken, weil diese über die Maßen beansprucht werden und verschleißen. Dann ist eine Operation, bei der ein Kieferteil zurückgesetzt oder nach vorne verschoben wird, nötig.

Eine Bremer Erfindung geht um die Welt: Die kleine Platte wird mittlerweile in halb Europa und auch schon in Südamerika eingesetzt. Aus Kolumbien war zuletzt Prof. Duran in Bremen zu Gast, um sich mit Prof. Rustemeyer über die Rusty Plate auszutauschen.

Bei solchen Umstellungsoperationen kommt dann die 0,6 Millimeter dünne „Rusty-Plate aus Titan zum Einsatz, die mit Schrauben fixiert wird und nicht wieder entfernt werden muss. Diese kann – anders als die starren Vorgängermodelle – mit wenigen Schrauben in Unter- und Oberkiefer verankert werden. Die älteren Plattenmodelle dagegen mussten zum Teil mit sehr vielen Schrauben fixiert werden, um überhaupt an dem sehr dünnen und spröden Knochen an der Vorderwand der Kieferhöhle zu halten.

Das neue Mini-Implantat hat nicht nur den entscheidenden Vorteil, dass die Platte dauerhaft hält, sondern auch, dass weniger Material eingesetzt werden muss und sich somit die Operations- und Narkosezeit reduziert. Das macht es wiederum auch für den Operateur komfortabler.

„Die Platte kann bei 98 Prozent aller Korrekturen im Oberkieferbereich eingesetzt werden“, sagt Rustemeyer. Auch er selbst nutzt sie inzwischen bei Oberkiefereingriffen fast ausschließlich und ist sehr zufrieden – und auch von seinen internationalen Kollegen hat er viele solcher Rückmeldungen bekommen. Kolumbien ist mittlerweile das am weitesten entfernte Land, in dem die „Rusty-Platte“ verwendet wird. Rustemeyer ist sich sicher, dass das bei Weitem nicht das letzte Land bleibt.

 

„Rusty Plate“ – von Bremen in die Welt
Die Bremer „Rusty Plate“ wurde von Prof. Dr. Dr. Jan Rustemeyer entwickelt. Die Erfindung des Chefarztes der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie am Klinikum Bremen-Mitte wird mittlerweile in vielen Ländern der Welt bei Kieferkorrekturen eingesetzt. Neben Österreich, der Schweiz, Schweden, Slowenien, Tschechien, Slowakei, Belgien, England, der Niederlande und Polen wird die kleine Platte auch schon in Kolumbien und künftig auch in Brasilien verwendet.

 

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