Klinikum Bremen-Ost: Intensivarzt wird unverhofft zum Geburtshelfer

Die Nachtschicht von Dr. Saemy Bouyanzar war fast vorüber, da wurde der Intensiv- und Notarzt aus dem Klinikum Bremen-Ost unverhofft zum Geburtshelfer. Eine Frau brachte ihr Baby im Auto vor dem Krankenhaus zur Welt. Wie Bouyanzar die Situation erlebte lesen Sie hier.

VON TIMO SCZUPLINSKI

Eigentlich ist der Nachtdienst von Dr. Saemy Bouyanzar schon fast vorüber. Doch dann kommt ein Anruf aus der Ambulanz, der die Schicht zu einer macht, an die sich der Arzt vom Klinikum Bremen-Ost wohl immer zurückerinnern wird. Als diensthabender Intensivarzt in dieser Nacht wird er nach vorne zum Eingang gerufen. Eine Frau würde dort gerade ein Kind auf die Welt bringen, heißt es. Dazu muss man wissen: Das Klinikum Bremen-Ost ist breit aufgestellt, eine Geburtsklinik gehört aber nicht zum Krankenhauses.

„Seit vergangenem Jahr habe ich die Weiterbildung zum Notarzt. Ich hätte eher gedacht, dass ich solch eine Geschichte eher mal unterwegs bei einem Einsatz erleben würde. Aber nicht um 6 Uhr morgens nach einer Nachtschicht im Krankenhaus“, erzählt Bouyanzar. Als der Arzt aus der Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie am Haupteingang ankommt, sieht er bereits einen Van mit offener Seitentür direkt vor dem Eingang, den telefonierenden Vater vor dem Auto sowie dessen zwei Kleinkinder. „Im Van lag das Baby dann bereits auf dem Schoß der Mutter, die einen gesunden Eindruck machte“, erinnert sich Bouyanzar. Das Neugeborene sei zunächst still gewesen, habe noch keinen Laut von sich gegeben.

Der erste Schrei

„Mein Fokus galt natürlich insbesondere dem Baby“, sagt Bouyanzar. Er lässt im Krankenhaus ein Zimmer vorbereiten und sich ein paar Klemmen bringen, um später die Nabelschnur durchzutrennen. Zunächst aber wartet er auf die ersten Laute des Babys.

Wurde unverhofft zum Geburtshelfer: Dr. Saemy Bouyanzar

Doch die kommen noch nicht. „Ich habe es dann etwas am Rücken gerieben. Das fördert und provoziert die Atmung“, erzählt der Arzt. Und dann, ein paar Augenblicke später meldet sich das Baby mit seinem ersten Schrei zu Wort. „Das war ein schöner Augenblick. Einige andere Kollegen waren inzwischen auch längst dazugekommen. Das ging alles Hand in Hand“, erzählt Bouyanzar, der selbst bisher die Geburt seiner beiden eigenen Kinder miterlebt hatte. Skurril sei die Situation gewesen und habe trotz der frühen Morgenstunden natürlich für viel Aufmerksamt gesorgt.

Familie schon entlassen

Nachdem die größte Aufregung an diesem besonderen Morgen vorüber ist, erklärt sich ein Reinigungsteam des Klinikums sogar noch bereit, den Wagen der Familie von innen gleich wieder sauber zu machen. Die Familie kommt übrigens aus Hannover, war vermutlich auf der Durchreise und hatte an dem Morgen wohl einfach das nächstbeste Krankenhaus angesteuert. Nach der Verlegung auf die Geburtsstation ins Klinikum Links der Weser wurden die Eltern samt ihrem Neugeborenen bereits zwei Tage später wieder nach Hause entlassen.

 

Was Helfer in solchen Situationen tun können

Zugegeben, die Wahrscheinlich ist nicht sonderlich groß. Aber was könnte man selbst tun, wenn man als Helfer zu einer Sturzgeburt dazukommt? Nicola Miller, die Bereichsleitung Geburtshilfe am Klinikum Bremen-Nord, hat da einige Tipps. „Für viele ist das erst einmal eine sehr ungewohnte Situation, aber dennoch sollte man als allererstes Ruhe bewahren und den Rettungsdienst rufen.“ Das Baby habe ja entschieden, dass es auf die Welt kommen möchte. „Es kommt im Grunde von allein“, sagt Miller. Bei einer Sturzgeburt komme es auch nur selten zu Komplikationen. „Als Helfer sollte man in der Zwischenzeit keine verrückten Dinge ausprobieren, sondern lieber der Mutter und dem Vater viel Mut zusprechen.“ Ist das Baby bereits auf der Welt, komme die wichtigste Aufgabe. „Dann sollte man als allererstes das Baby auf den Bauch der Mutter legen und Mutter und Baby warmhalten“, sagt Miller. Die Gefahr, dass gerade das Baby auskühlt, sei sonst besonders hoch. Die Nabelschnur sollten Laien zudem getrost ignorieren und das Durchtrennen später den Experten überlassen. Die Mutter sollte laut Miller nach der Geburt zudem die Beine überkreuzen, um einen höheren Blutverlust zu vermeiden.

 

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