Krise in der Krise: Corona und seelische Erkrankungen

Für Menschen mit seelischen Erkrankungen ist die Corona-Pandemie eine doppelte Belastung.

VON STEFANIE BECKRÖGE

Menschen mit Masken beim Einkaufen, in der Bahn, auf den Stationen der Krankenhäuser. Dazu Abstandsregeln und die Empfehlung zu Hause zu bleiben, keine Besuche. Die einen entwickeln Strategien, wie sie Homeoffice und Schule zuhause unter einen Hut bringen können, andere freuen sich sogar über ein wenig mehr Ruhe. Aber was ist mit Menschen, die seelisch krank sind? Wie nehmen sie diese stark spürbaren und einschränkenden Veränderungen wahr? „Für viele unserer Patienten ist diese Zeit tatsächlich eine sehr große Belastung“, sagt Prof. Jens Reimer, Direktor des Zentrums für Psychosoziale Medizin am Klinikum Bremen-Ost. Menschen, die unter Angststörungen, Depressionen oder Schizophrenien litten, nähmen die Corona-Maßnahmen als zutiefst bedrohlich wahr und das wiederum verstärke ihre Erkrankung. Wer sich ohnehin schon Bedrohungen ausgesetzt fühle und beispielsweise an Vergiftungsängsten leide, sähe sich durch die jetzt überall sichtbaren Szenarien in seinen Wahrnehmungen bestätigt, erklärt Reimer. Dann komme es zu einer wahnhaften Verarbeitung und zu starken paranoiden Schüben.

Natürlich versuchen Pfleger, Ärzte und Therapeuten die Ängste aufzunehmen, darüber zu sprechen und sie sachlich einzuordnen. Ambulanten Patienten rät man, ausschließlich seriösen Nachrichtenkanälen zu vertrauen und sich möglichst nur ein Mal am Tag über den Stand der Dinge zu informieren, damit das Thema Corona nicht zu einem beherrschenden wird. Aber leicht ist es nicht, dem Geschehen etwas entgegen zu setzen. Die Einschränkungen können auch die Ärzte und Therapeuten nicht aufheben und alle scheinen doch nur noch über die Pandemie zu sprechen.

Mit Maske wenig Mimik

„Zudem ist die Psychotherapie ist ein sprechender Beruf. Das gestaltet sich mit Schutzmaske schon sehr schwierig“, sagt Reimer. Nicht nur die akustische Verständigung sei eingeschränkt, auch die Mimik des Gegenübers sei ja viel weniger sichtbar und das verunsichere die Patienten zusätzlich. Dennoch werden so weit wie möglich alle Therapien auch weiterhin angeboten, die Ambulanzen und Beratungsstellen sind geöffnet. Viele Gespräche in den Ambulanzen finden allerdings in diesen Wochen am Telefon statt. Zusätzlich wird gerade die Möglichkeit für Video-Sprechstunden eingerichtet. Dennoch sind die Beratungsstellen und die Stationen weniger ausgelastet als in normalen Zeiten. Die Menschen bleiben mit ihren Ängsten allein zuhause. „Wir beobachten den gleichen Effekt wie die Notaufnahmen. Die Erkrankten warten sehr lange und kommen erst, wenn sie schwer erkrankt sind und es gar nicht mehr anders geht“, so Reimer. Mit den Lockerungen in den nächsten Wochen erwarten er und sein Team daher einen deutlichen Anstieg der Patientenzahlen.

Für Verdachtsfälle und bestätigte Corona-Infizierte hat sie Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum Bremen-Ost die Station 73 als Schwerpunktbereich eingerichtet. Bisher gab es aber erst einen bestätigten Fall.

Prof. Dr. Jens Reimer, Leiter des Zentrums für Psychosoziale Medizin am Klinikum Bremen-Ost

„Wir beobachten den gleichen Effekt wie die Notaufnahmen. Die Erkrankten warten sehr lange und kommen erst, wenn sie schwer erkrankt sind und es gar nicht mehr anders geht.”

Prof. Jens Reimer

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