Lästige Frühflieger – was blüht wann?

Viele Menschen brauchen die Taschentücher nach der Erkältungszeit gar nicht erst weglegen. Denn die ersten Pollen schwirren längst durch die Luft und sorgen bei Allergikern für Niesattacken und juckende Augen. Welche Frühflieger jetzt unterwegs sind und was Heuschnupfen-Patienten beachten sollten, lest ihr hier.

VON STEFANIE BECKRÖGE

Während sich viele Menschen sehnlichst den Frühling herbei wünschen und es kaum erwarten können, die ersten warmen Sonnenstrahlen auf der Haut zu spüren, legen sich Allergiker schon Tabletten und Sprays zurecht. Denn es geht früh wieder los mit dem Pollenflug. Triefende Nasen, juckende Augen, Kopfschmerzen – für Heuschnupfen-Patienten kann auch schon der späte Winter mit Leid und Stress verbunden sein. Und dass, nachdem die Symptome bei einigen bis in den November hinein spürbar waren. „Heuschnupfen-Patienten haben immer weniger Zeit zum Durchatmen“, bestätigt Mesut Pasha, Oberarzt in der Klinik für Hals-, Nasen-Ohrenheilkunde am Klinikum Bremen-Mitte. „Die Pollen fliegen immer früher und zudem im Herbst länger.“

Die ersten Pollen im norddeutschen Frühjahr stammen von der Hasel. Sie können tatsächlich schon im Januar unterwegs sein. Im Februar kommen Weide, Pappel, Birke und Erle hinzu. In der Hauptblütezeit zwischen Ende Februar bis Anfang April lösen diese Pollen die stärksten Beschwerden aus. In den meisten Fällen ist die Birke für die Beschwerden verantwortlich. „Über 50 Prozent aller Heuschnupfen-Patienten sind allergisch gegen Birkenpollen“, sagt Prof. Dr. Andreas Naumann, Chefarzt der HNO-Klinik am Klinikum Bremen-Mitte. Von März bis November seien durchgehend die Gräser-und Kräuterpollen am Werk. Da viele Betroffene gleich auf mehrere Pollenarten allergisch reagieren, haben sie häufig fast das ganze Jahr über Beschwerden.

„Allergiker sollten sich zunächst einer genauen Diagnostik unterziehen“, sagt Naumann. Dazu gehören neben einer ausführlichen Anamnese der übliche Allergie-Test (Prick-Test), aber auch Blutuntersuchungen und Tests direkt an der Nasenschleimhaut. Während vorübergehende Schwellungen der Nasenschleimhäute und gelegentliches Augenjucken zunächst gut medikamentös behandelbar sind, rät Naumann bei stärkeren oder länger anhaltenden Beschwerden zu einer Hyposensibilisierung. Dabei werde der Körper durch schmerzlose Spritzen oder Tropfen über einen längeren Zeitraum hinweg immer wieder mit dem Allergie auslösenden Stoffen konfrontiert und härte sich gewissermaßen selbst ab. Bei Menschen, die viele Allergien gleichzeitig haben, würden die stärksten behandelt.

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Böse Birke - über 50 Prozent aller Heuschnupfen-Patienten sind allergisch gegen Birkenpollen.

 

„Man sollte mit einer Hyposensibilisierung nicht zu lange warten“, rät HNO-Arzt Naumann. Nur so verhindere man, dass die Bereitschaft des Körpers zu weiteren Allergien immer weiter zunehme. Eine Hyposensibilisierung sollte möglichst in der beschwerdearmen Zeit beginnen. Die meisten starten daher inzwischen eher zum Jahresende.

Im Frühjahr ist es somit zu spät. Aber wie kann man auch ohne diese Therapie durch die Pollensaison kommen? “Das Stichwort bei Allergien heißt immer Vermeidung“, sagt Naumann. Natürlich könne man nicht einfach nur drinnen bleiben, aber in den Zeiten akuter Beschwerden sollte man seinen Lebensstil durchaus etwas anpassen und zum Beispiel sportliche Aktivitäten lieber nach drinnen verlegen.

Auch für die Urlaubsplanung hat Pasha einen Tipp. „Wer kann, sollte zwischendurch ein paar Tage an der Nordsee verbringen“, rät Naumann außerdem. Dort nämlich sei die Pollenbelastung hierzulande am geringsten und Allergiker könnten schnell wieder durchatmen.

Was blüht wann?

 

Januar
Haselnuss
Februar
Haselnuss, Erle, Pappel, Weide, Birke
März
Gräser, Kräuter, Haselnuss, Erle, Pappel, Weide, Birke
April
Gräser, Kräuter, Erle, Pappel, Eiche,  Kiefer, Esche, Weide, Birke, Buche
Mai
Gräser, Kräuter, Buche, Eiche, Pappel, Weide, Kiefer, Esche, Platane, Spitzwegerich, Roggen, Birke

Prof. Dr. Andreas Naumann ist Chefarzt der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenmedizin, Plastische Operationen und Spezielle Schmerztherapie am Klinikum Bremen Mitte.
Mitglied der Arbeitsgemeinschaft für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Kopf-Halschirurgie (APKO) der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf-Halschirurgie
Leiter des Speicheldrüsenzentrums Bremen
Leiter des Kopf-Hals-Tumorzentrums Bremen-Mitte

Die Hals-Nasen-Ohren-Klinik am Klinikum Bremen-Mitte finden Sie hier>>

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