Mit Nervenblockade gegen weiße Finger und starkes Schwitzen

Wenn sich die Fingerspitzen weiß färben und die Hände sich dauerhaft kalt anfühlen, ist das ein Zeichen für das sogenannte Raynaud-Syndrom. Radiologen können diese Durchblutungsstörung per Sympathikolyse behandeln. Und dieses Verfahren kann sogar noch mehr. Auch Menschen, die stark schwitzen, kann es helfen.

VON TIMO SCZUPLINSKI (TEXT) UND KERSTIN HASE (FOTOS)

Wer etwas zu fest die Daumen drückt oder seine Hände mit ganz viel Kraft faltet, bei dem wechselt die Hautfarbe der Finger von Rosa auf Weiß. Es gibt aber auch Menschen, die müssen für einen solchen Effekt gar nichts tun. Bei ihnen ist das oft ein Dauerzustand. Sie leiden unter dem sogenannten Raynaud-Syndrom – umgangssprachlich auch Weißfingerkrankheit genannt. Die weißen Finger werden zu wenig durchblutet und fühlen sich kalt an. Das kann genauso bei Zehen oder Ohrläppchen auftreten. Eine stärkere Durchblutung bis in die Spitzen verhindert in diesen Fällen eine Störung des autonomen Nervensystems. Dieses stellt die Gefäße so eng, dass das Blut nur schwer vorankommt. Erst färben sich die Finger weiß, später können sie durch zu wenig Sauerstoff auch blau erscheinen. Eine stärkere Durchblutung hingegen erzeugt eine Rotfärbung. „Diesen Verlauf nennt man auch das Tricolore-Phänomen – entsprechend der französischen Nationalflagge“, sagt Prof. Dr. Arne-Jörn Lemke, Chefarzt der Verbundradiologie der Gesundheit Nord.

Eine Möglichkeit, diesem Raynaud-Syndrom entgegenzuwirken, ist die Sympathikolyse. „Dabei wird das sympathische Nervensystem lokal blockiert – also der Teil des Nervensystems, der uns auf Trab bringt“, sagt Lemke. Als Folge einer Injektion mit hochkonzentriertem Alkohol kann die Störung des Nervensystems für mehrere Monate behoben werden. Die Gefäße entspannen sich.

Sie weiten sich, lassen wieder das nötige Blut auch bis in die Fingerspitzen fließen. „Patienten freuen sich danach zum ersten Mal wieder über warme, gut durchblutete Finger oder auch Zehenspitzen“, sagt Lemke. Die Sympathikolyse kann aber noch einen weiteren Effekt erzielen: Durch die Blockade sind auch die Schweißdrüsen im nachgeschalteten Gebiet deutlich weniger aktiv, was besonders für Menschen, die unter einer malignen Hyperhidrose, also unter übermäßigem Schwitzen leiden, über den Zeitraum von Monaten bis Jahren helfen kann.

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Das Tricolore-Phänomen: Bei zu geringer Durchblutung färben sich die Fingerspitzen erst weiß …
…  durch Sauerstoffmangel können sie später auch bläulich werden, …
… erst wenn das Blut besser fließt, folgt eine Rötung. Die französischen Farben – nur in etwas anderer Reihenfolge.

Mehr zu Blut- und Nervenbahnen lesen Sie in unserer aktuellen Ausgabe des Patientenmagazins. Sie finden es in unseren vier Krankenhäusern sowie in Arztpraxen und Apotheken in Bremen und umzu. Per Klick aufs Cover können Sie sich das Magazin als PDF-Datei herunterladen.

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