Patient Blood Management – “So wenig Fremdblut wie möglich”

Blutspenden sind in vielen Fällen unverzichtbar und können Leben retten. Fremdes Blut belastet allerdings auch das Immunsystem. Ein neues Konzept – das sogenannte Patient Blood Management – soll am Klinikum Bremen-Mitte dabei helfen, dass Bluttransfusionen während einer Operation möglichst gar nicht erst notwendig werden. Wie das funktioniert, erklären wir hier.

VON KAREN MATISZICK (TEXT) UND KERSTIN HASE (FOTOS)

Bei großen Operationen ist es oft unvermeidlich, dass der Patient Blut verliert – manchmal so viel, dass eine Bluttransfusion notwendig wird. Fremdes Blut allerdings belastet das Immunsystem. Die Sterblichkeit der Patienten, die eine Blutspende erhalten haben, ist deutlich höher. Immer mehr Krankenhäuser führen deshalb ein Patient Blood Management ein – ein Behandlungskonzept, das Blutverluste und damit auch Bluttransfusionen während der Operation minimieren soll. „Wir haben dabei besonders die Patienten im Blick, die schon vor dem Eingriff einen Eisenmangel und damit eine Blutarmut aufweisen“, sagt Prof. Michael Winterhalter, Chefarzt der Klinik für Klinik für Anästhesiologie und Schmerztherapie im Klinikum Bremen-Mitte.

In enger Zusammenarbeit mit seinen Kollegen aus der Inneren Medizin hat Winterhalter ein Konzept entwickelt, mit dem Risikopatienten rechtzeitig untersucht und auf die Operation vorbereitet werden. Wird bei einem Patienten mit hohem Blutungs- und Transfusionsrisiko eine Blutarmut diagnostiziert, bekommt er noch vor dem Eingriff Eisen verabreicht, das – vereinfacht gesagt – die Bildung von neuem eigenen Blut fördert. Diese Behandlung findet in der hämatologisch-onkologischen Tagesklinik des Klinikums Bremen-Mitte statt. Für dieses Verfahren ist Prof. Winterhalter kürzlich sogar mit einem Förderpreis der Patient-Blood-Management-Academy Stiftung ausgezeichnet worden.

Weniger Bluttransfusionen: Das Patient Blood Management, das von Prof. Michael Winterhalter und der Inneren Medizin für das Klinikum Bremen-Mitte auf den Weg gebracht wurde, ist eine von vielen Maßnahmen, mit denen die Klinik den Einsatz von Blutkonserven reduzieren möchte.

Konzept für weniger Einsatz von Blutkonserven

Das Konzept ist allerdings nur eine von vielen Maßnahmen, mit denen die Klinik den Einsatz von Blutkonserven reduzieren möchte. Dazu gehört beispielsweise auch eine ständiger Abgleich des Verbrauchs von Blutkonserven sowie der Einsatz moderner Laborgeräte mit dem während der Operation die Gerinnung des Blutes direkt im OP-Saal überwacht wird. Zudem wird das Klinikum Bremen-Mitte in Kürze dem bundesweiten Netzwerk Patient Blood Management beitreten – einer Initiative, die sich zum Ziel gesetzt hat, Bluttransfusionen im Klinikalltag möglichst zu vermeiden und Ärzte und Pflegekräfte über Risiken und Alternativen aufzuklären.

Bundesweit 15.000 Blutspenden pro Tag benötigt

Fest steht aber auch: Auf Blutkonserven wird die Medizin auch in Zukunft nicht verzichten können. Allein in Deutschland werden nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung jeden Tag etwa 15.000 Blutspenden benötigt – Tendenz steigend. „Wir möchten, dass unsere Patienten so wenig Fremdblut wie möglich bekommen“, fasst Prof. Michael Winterhalter zusammen. „Aber gerade nach schweren Unfällen, bei größeren Operationen, schweren Unfällen oder zur Behandlung bestimmter Erkrankungen wie bösartiger Tumore sind Blutkonserven und Blutprodukte nach wie vor unverzichtbar. Deshalb gilt der Satz immer noch: Blutspenden kann Leben retten.“

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