Die Brückenbauerin – Pilotprojekt Neurogeriatrie am Klinikum Bremen-Nord

Als interdisziplinäre Oberärztin verbindet Dr. Karen Fox Neurologie und Altersmedizin im Klinikum Bremen-Nord. Das Pilotprojekt „Neurogeriatrie“ ermöglicht Patienten einen besseren Übergang.

VON TIMO SCZUPLINSKI (TEXT) UND KERSTIN HASE (FOTOS)

Mit zunehmendem Alter baut der Körper nicht nur allmählich ab, er ist auch anfälliger für Krankheiten. Nicht nur das Risiko für Diabetes, Krebs- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen nimmt zu, sondern auch für neurologische Erkrankungen – wie etwa Demenz und Parkinson. Wenn dann noch ein akutes Ereignis wie ein Schlaganfall oder ein Sturz hinzukommt, brauchen älteren Patienten meist deutlich länger, um wieder auf die Beine zu kommen.

„Zwischen den Kliniken für Neurologie und Geriatrie – also der Altersmedizin – gibt es besonders viele Anknüpfungspunkte“, sagt Geriatrie-Chefarzt Dr. Amit Choudhury. Deshalb hat das Klinikum Bremen-Nord eine besondere Oberärztinnen-Stelle geschaffen, die die Bereiche Geriatrie und Neurologie stärker verbindet. Dr. Karen Fox baut mit ihrer Arbeit gewissermaßen Brücken – nicht nur in der Zusammenarbeit der beiden Kliniken sondern vor allem auch für die Patienten auf ihrem Weg der Besserung. Das Modell hat sich bewährt.

Wie es konkret funktioniert? Wenn ein älterer Patient etwa wegen eines Schlaganfalls in der Stroke Unit der Neurologie behandelt wird, lernt sie seinen Fall gleich von Beginn an kennen. Wenn er nach der akuten Versorgung dann in der Geriatrie-Klinik möglichst gut wieder in den Alltag zurückfinden soll, begleitet Dr. Karen Fox diese Fälle auch hier weiter. Die Kliniken haben zwar auch zuvor bereits eng zusammengearbeitet. „Aber dieses Prinzip einer Verbindungsstelle ermöglicht einen viel fließenderen Übergang von akuter Versorgung und Frührehabilitation“, sagt Fox.

Es könne genauer geschaut werden, was Patienten konkret brauchen. Zwar würden sie in zwei verschiedenen Fachbereichen innerhalb des Krankenhauses behandelt. „Aber diesen Unterschied sollen sie im Grunde gar nicht spüren, sondern es vielmehr wie eine Therapie aus einer Hand wahrnehmen“, sagt Fox.

Seit 2019 ist die Fachärztin für Neurologie und angehende Geriatrie-Fachärztin nun am Klinikum Bremen-Nord. Und natürlich brauchte es erst einmal ein wenig Zeit, die neue Rolle mit Leben zu füllen. Schließlich war sie von nun an Bestandteil gleich zweier Klinikteams, die ihre ganz unterschiedlichen Arbeitsweisen haben.  „Die Zusammenarbeit der Kliniken in dieser Form – quasi mit einer interdisziplinären Oberarztstelle – ist gewissermaßen ein Pilotprojekt, das hier richtig gut funktioniert“, sagt der Chefarzt der Neurologie, Dr. Matthias von Mering. Ihn kannte Fox schon aus der gemeinsamen Zeit in Bremerhaven. Ebenso wie Prof. Odin, der mit der Parkinsonambulanz, seit 2019 ebenfalls neu am Klinikum ist.

„Neben der großen fachlichen Qualität und Erfahrung hat Frau Fox auch ein großes Einfühlungsvermögen im Umgang mit den Patienten“, sagt von Mering. Gerade bei einem längeren Krankenhausaufenthalt samt Klinikwechsel seien viele Patienten froh darüber, wenn sie ein vertrautes Gesicht auf diesem Weg begleitet. „Diese Rückmeldung bekommen wir sehr häufig“, sagt auch Fox. Und das runde ihre Arbeit neben dem fachlichen Zusammenspiel zusätzlich ab.

 

Geriatrie – kurz erklärt

Die Klinik für Geriatrie und Frührehabilitation im Klinikum Bremen-Nord wird in diesem Jahr 25 Jahre alt. Sie war damit die erste Fachabteilung für Altersmedizin in Bremen. Aber was wird dort konkret behandelt? Wenn Alterserscheinungen in Kombination mit Erkrankungen auftreten, ist die Altersmedizin – im Fachjargon Geriatrie –  die richtige Disziplin in einem Krankenhaus. Dort verfolgt das Klinikteam das Ziel, dass Patienten möglichst schnell und gut in den Alltag zurückfinden. „Altersmedizin sucht nach Wegen, den Verlust von Fähigkeiten zu verhindern und Fähigkeiten zu stärken. Neben körperlichen und geistigen Aspekt spielt dabei auch die der soziale Aspekt eine wichtige Rolle.

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