“Radiologie ist mehr als Röntgen”

Fast jeder war schon einmal beim Röntgen – ob Zähne oder Knochen. Betreut wurde er dabei üblicherweise von einem medizinisch-technischen Radiologieassistenten. Wer aber denkt, dass diese Fachleute nur schnell ein Foto vom Knochen knipsen, der irrt. Der Beruf ist anspruchsvoll, erfordert eine dreijährige Ausbildung und ist unverzichtbar für Diagnostik, Heilung, Forschung und Entwicklung. Die MTA-Schule am Klinikum Bremen-Mitte bildet jedes Jahr rund 20 junge Leute in dem hochspezialisierten Fach aus.

VON KRISTINA BUMB

 

„Den Beruf gibt es schon viele Jahrzehnte, aber er ist trotzdem relativ unbekannt“, sagt Birgit Hauke. Sie ist Fachbereichsleitung am Bildungszentrum für Gesundheitsfachberufe Ausbildung MTA-R, die zum Klinikverbund Gesundheit Nord gehört und am Klinikum Bremen-Mitte ansässig ist. Die Bildungseinrichtung, die 1930 gegründet wurde, bietet vollschulische Ausbildungsgänge zum Medizinisch-technischen Assistenten für die zwei Fachrichtungen Radiologie (MTRA) und Laboratorium (MTLA) an. Pro Jahr und Fach starten dort rund 20 Lernendende in die Berufsausbildung.

„Bei dem Beruf steckt viel dahinter, was der Patient oder der Laie nicht auf den ersten Blick erkennt“, sagt Birgit Hauke. Schülerin Inken Pauli kann das nur bestätigen. Die 21-jährige Cuxhavenerin mit Fachabitur ist in der Examensklasse und bereitet sich zurzeit auf die Abschlussprüfung vor. „Man arbeitet selbstständig und unterstützt mit dem Anfertigen von Röntgenbildern, Computer- und Magnetresonanztomographien die ärztliche Untersuchung“, schildert sie.

Neben den Schwerpunkten Röntgen, CT, MRT und Nuklearmedizin umfasst das Berufsfeld auch die Mitarbeit in dem besonders sensiblen Bereich der Strahlentherapie. Dort werden etwa Krebspatienten behandelt. „Man muss in unserem Job nicht nur die Technik beherrschen und medizinische Kenntnisse besitzen“, betont der 23-jährige Bremer Abiturient Jakob Heinemann, der ebenfalls die MTRA-Examensklasse besucht. „Man muss auch sehr einfühlsam mit Patienten, die manchmal todkrank sind, und ihren Angehörigen umgehen können.“

Die Verbindung aus dem intensiven Umgang mit Menschen, medizinischem und anatomischem Wissen sowie hochmoderner, komplexer Technik war es auch, die die beiden Auszubildenden zur Berufswahl motiviert hat. „Es ist ein abwechslungsreicher, herausfordernder Beruf. Einen Bürojob hätte ich nie machen wollen“, sagt Jakob Heinemann. Außerdem sind beiden zufolge die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt gut. Kliniken, ärztliche Praxen, medizinische Forschungseinrichtungen und Industrie bilden typische Arbeitsumfelder. „Der Bedarf ist groß. Viele von uns bekommen schon während der Praktika, die in der Ausbildung vorgeschrieben sind, die ersten Jobangebote“, schildert Inken Pauli. Auch die Verdienstmöglichkeiten seien überdurchschnittlich.

Vor dem Antritt der ersten Stelle steht jedoch eine anspruchsvolle Lehrzeit mit theoretischen und praktischen Unterrichtseinheiten. „Die Ausbildung ist schwierig, beinhaltet viel Strahlenphysik, Biochemie, Mathematik, Anatomie und Krankheitslehre“, beschreibt die Schülerin. Das erste Jahr des dreijährigen Bildungsganges ist in der MTA-Schule an der St.-Jürgen-Straße denn auch überwiegend der Theorie vorbehalten. Nur an Lehrgeräten kann bereits gearbeitet werden. Zumeist gestalten hauptamtliche Lehrkräfte und Dozenten aus den Kliniken der Gesundheit Nord den Unterricht.

Ab dem zweiten Jahr werden diese Theorieblöcke dann durch verschiedene Praktika begleitet. „Die Schüler lernen dabei die vier großen Bereiche des Berufes kennen“, erklärt Fachbereichsleiterin Birgit Hauke. Doch nicht nur in den vier Krankenhäusern des Bremer Verbundes, etwa im Zentrum für Radiologie, auch in weiteren Hospitälern und Arztpraxen absolvieren die Schüler ihren Praxisteil. „Wir bilden nicht nur für den eigenen Fachkräftebedarf aus, sondern sind eine reguläre Berufsfachschule“, betont Birgit Hauke.

Da es sich um eine vollschulische Ausbildung handelt, erhalten die angehenden Fachleute während dieser Zeit kein Gehalt und keine Zuschüsse etwa für Fahrten zu den Praktikumsplätzen. Es besteht jedoch die Möglichkeit, Schülerbafög zu beantragen. „Anders als in anderen MTA-Schulen muss bei uns aber kein Schulgeld gezahlt werden“, erklärt Birgit Hauke.

Jeweils zum 1. Oktober startet ein neuer Jahrgang. Eine schriftliche Bewerbung, ein Auswahlgespräch und ein fünftägiges Schnupperpraktikum in einer Radiologischen Abteilung sind Voraussetzungen, um einen Platz in der Bildungseinrichtung zu ergattern. „Wir achten bei Schulzeugnissen vor allem auf die Physik- und Mathematiknoten. Wem diese Grundlagen fehlen, der muss es während der Lehrzeit viel nacharbeiten“, so Birgit Hauke. Zwar erhält sie in der Regel genug Bewerbungen, macht Interessierten aber Mut, es auf alle Fälle zu versuchen. Der Lohn ist ein spannender Beruf nah am Menschen, zwischen Technik und Medizin. „Radiologie ist eben mehr als Röntgen“, sagt Birgit Hauke.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Weser-Kuriers.

Direkt zur Ausbildungsseite der Gesundheit Nord geht es hier>>

Infos zum Ausbildungsberuf

Dauer der Ausbildung: 3 Jahre

Zugangsvoraussetzungen:

– keine bestimmte Schulbildung, in der Regel mittlerer Schulabschluss

– Interesse für Physik, Technik und Medizin, Verantwortungsbewusstsein

Vergütung: keine; unter Umständen müssen Schulgebühren gezahlt werden

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