Rundgang durch das neue Klinikum Bremen-Mitte

Rotunde, Magistrale, Regelstation – ein Rundgang durch das neue Klinikum Bremen-Mitte.

VON TIMO SCZUPLINSKI (TEXT) UND KERSTIN HASE (FOTOS)

Der Gang durch den Neubau beginnt praktisch im Altbau. Denn wer die weiße Rotunde an der St.-Jürgen-Straße passiert, den Haupteingang des neuen Klinikums Bremen-Mitte, der steht zunächst in einem altehrwürdigen Gebäude. Haus 2 wird es genannt, es ist mehr als 100 Jahre alt und war über viele Jahre das Zuhause der Inneren Medizin, die nun als Erstes in das neue Klinikum Bremen-Mitte zieht. Der Altbau samt seiner prächtigen Marmorhalle im Eingangsbereich ist nun der Startpunkt für jeden Besucher, Patienten und Mitarbeiter, der das größte und modernste Krankenhaus Bremens betritt. Nur ein paar Schritte weiter, hinunter über einen breiten Flur, blickt man bereits in die lange Magistrale, die wie eine zweispurige Hauptstraße durch den Neubau führt. Wer nicht zwingend auf eine Station muss, ist hier im Erdgeschoss also meist schon an der richtigen Stelle.

„Es ist ein Krankenhaus der kurzen Wege. Über die Magistrale mit ihren Ambulanzen, Diagnostikbereichen und tagesklinischen Bereichen kann der Patienten- und Besucherstrom optimal geleitet werden“, sagt Michael Bester-Voss vom Leitungsteam des Klinikneubaus. Kaum jemand hat über die Jahre einen besseren Überblick über den Bau als Bester-Voss. Das gesamte Projektteam unter der Leitung von Dr. Thomas Vinke hat ein enormes Wissen über den Neubau. Bester-Voss und seine Kolleginnen und Kollegen haben etliche Besucherführungen durch das riesige Gebäude geleitet. Tausende Anwohner und andere Interessierte haben hier bereits frühzeitig einmalige Einblicke erhaschen können. Und die Reaktionen waren meist geprägt vom Staunen darüber, was sich alles hinter diesen neuen Gebäudemauern verbirgt und was Außenstehende beim Vorbeifahren auf der Bismarckstraße bestenfalls erahnen konnten.

Wer in dem riesigen Haus doch einmal die Orientierung verliert, dem helfen die großen Übersichtstafeln. Man findet sie in der Mitte der Magistrale vor jedem Eingang ins Treppenhaus und vor jedem Fahrstuhl.

Besonderes Branding

Die Farbe der Backsteine von Haus 2 (Haupteingang) findet man auch im Neubau wieder. „Uns war ein einheitliches Bild sehr wichtig. Etwas, das sich nahtlos ins Straßenbild einfügt und nicht wie ein Fremdkörper wirkt“, sagt Projektleiter Michael Bester-Voss. Die Verblender – wie es in der Fachsprache heißt – wurden dafür speziell gebrannt, damit dieser dunkelrote Ton getroffen wird. Ein besonderes Branding sozusagen. Man findet sie auf dem gesamten Klinikgelände wieder – also auch im Eltern-Kind-Zentrum.

Jedes Stockwerk hat seine eigene Farbe, damit sich Besucher, Mitarbeiter und Patienten leichter orientieren können. „Auch die Barrierefreiheit hat eine große Rolle bei den Planungen gespielt“, sagt Bester-Voss. Über ein spezielles Rillensystem auf dem Fußboden bekommen auch Sehbehinderte entsprechend Orientierung. Ebenso wie über die Infotafeln, auf denen alles auch in Blindenschrift ertastbar ist.

 

                Schnoor, Bürgerpark, Rathaus – alles in einem Haus

Die Namen, die man auf den Tafeln liest, dürften zumindest für Gäste und Patienten aus dem Bremer Raum auf Anhieb vertraut sein. Die einzelnen Stationen wurden nach Bremer Besonderheiten benannt. Bürgerpark, Roland, Schnoor, Schütting, Weser, Rathaus – Bremens schönste Orte befinden sich sozusagen alle auf den sechs Hektar Klinikgelände, auf denen das neue Klinikum Bremen-Mitte gebaut wurde.

Alle Fachkliniken und Institute waren bisher auf einer Fläche von etwa 20 Hektar in verschiedenen Häusern verteilt – verstreut zwischen Am Schwarzen Meer, Friedrich-Karl-Straße, St.-Jürgen-Straße und Bismarckstraße. „Lange Wege, die einen wirtschaftlichen Krankenhausbetrieb erschweren“, sagt Michael Bester-Voss. Abteilungen, die eng zusammenarbeiten müssen, lagen zum Teil weit auseinander. „Die große Kompaktheit ist deshalb einer der großen Vorteile im neuen Umfeld“, sagt Bester-Voss. Mit dem Neubau kommt gewissermaßen das zusammen, was dringend zusammengehört. Was gerade auch für Patienten, die Kliniken wechseln müssen, ist das ein ungeheurer Vorteil, der Nerven spart.

Zurück in die Magistrale. Von hier aus gelangt man über Treppen und Fahrstühle in die vier Stockwerke des neuen Krankenhauses, auf die Regelstationen und die vielen Spezialbereiche. Ganz oben auf dem Dach befinden sich drei riesige Technikzentralen. Hier laufen alle Leitungen zusammen, hier wird die absolut keimfreie Luft etwa für den OP bereitgestellt. „In den 22 OP-Sälen des Neubaus herrscht quasi die sauberste Luft in ganz Bremen“, sagt Bester-Voss. Patienten, die dort operiert werden müssen, merken davon nichts, sie kommen dort erst im narkotisierten Zustand an. Für den Alltag interessanter sind da wohl eher die normalen Krankenhausstationen. Sie befinden sich vor allem in den vier markanten Gebäudeteilen, die zur Bismarckstraße herausragen.

 

Vier Zähne, Hunderte Betten

Auf der Baustelle sprach man schnell von den „vier Zähnen“ des Neubaus. In ihnen befinden sich Hunderte Patientenzimmer. 818 Betten gibt es im gesamten Krankenhaus. Im Vergleich zum alten zudem deutlich mehr Einzel- und Zweibettzimmer. Auf jeder Station gibt es ein zentrales Terminal für das Stationsteam, dazu Dienst- und Besprechungszimmer. Am Kopf eines jeden Zahns finden Patienten und Besucher einen gemütlichen Aufenthaltsbereich. Die Panoramafenster lassen viel Tageslicht ins Innere. Wer hier sitzt, kann einen weiten Blick über die Baumwipfel nach draußen genießen.

Bremische Bereiche

Wenn man neu im Krankenhaus ist, bekommt man den besten Überblick über die großen Übersichtstafeln vor jedem Eingang ins Treppenhaus. Und dem Kenner fällt gleich auf: Alle Stationen tragen bremische Namen. Ob Weser, Roland, Rathaus, Schnoor, Böttcher oder Werder – im Krankenhaus findet man gewissermaßen alles, was Bremen ausmacht. Ein festes Farbsystem auf jeder Etage soll zudem dabei helfen, dass man schnell dorthin kommt, wo man auch hin möchte. Ansonsten helfen einem Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bestimmt gerne weiter.

Licht – das spielt für den Bau eine besondere Rolle. „Fast überall in diesem neuen Krankenhaus bekommt man Tageslicht zu sehen“, sagt Bester-Voss. Anders ist das natürlich im Unter-
geschoss. Dort, wo zum Beispiel Strahlentherapie und Radiologie zu Hause sind, trennen 1,60 Meter dicke, mit Blei abgeschottete Wände die Flure von den Behandlungszimmern, damit keine Strahlung nach außen dringt. Hoch spezialisierte Bereiche wie diese waren für den Bau des Krankenhauses eine besondere Herausforderung. Dazu muss man wissen: Das Klinikum Bremen-Mitte ist kein gewöhnliches Krankenhaus, sondern ein Maximalversorger. In den 25 Fachkliniken und den spezialisierten Zentren werden so gut wie jede Krankheit und die schwerste Verletzung behandelt.

Mit der Inneren Medizin zieht die erste Klinik nun in den Neubau, in den weiteren Monaten danach folgen stufenweise die übrigen Fachkliniken und Bereiche. „Der Umzug erfolgt wie schon der Bau bei laufendem Krankenhausbetrieb. Das ist eine besondere Herausforderung“, sagt Bester-Voss. Einige Monate wird es dauern, bis das gesamte Klinikum umgezogen sein wird. 2020 soll dann auch das Eltern-Kind-Zentrum bezogen werden, das gleich nebenan ebenfalls neu gebaut wurde und in dem dann vom Frühchen bis zum jungen Erwachsenen alle Altersklassen und Erkrankungen versorgt werden. Das ElKi – wie das Eltern-Kind-Zentrum seit Jahren genannt wird – erreicht man übrigens nicht über die weiße Rotunde an der St.-Jürgen-Straße. Es bekommt auf der anderen Seite des Neubaus einen eigenen Eingang.

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