“Sonnenbrand bei Kindern ist Körperverletzung”

Hochsommer im April? Nagut, dann gibt es hier also schon die Tipps zum Eincremen. Reicht Lichtschutzfaktor 30? Hält der Sonnenschutz auch im Wasser? Und was mache ich, wenn ich doch einen Sonnenbrand habe? Prof. Dr. Markus Zutt gibt Antworten.

VON STEFANIE BECKRÖGE

Sommersonne, Strand, weites Meer – oder doch der heimische Balkon oder der Spielplatz um die Ecke? Egal, wo man sich aufhält – im Freien braucht die Haut Sonnenschutz. „Es gibt einen erwiesenen, direkten Zusammenhang zwischen UV-Strahlung, Hautalterung und Hautkrebs“, sagt Prof. Dr. Markus Zutt, Chefarzt der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Klinikum Bremen-Mitte. Die UV-Strahlung, die im Laufe der Jahrzehnte auch in Nordeuropa stärker geworden ist, verändert die Erbinformationen in den Hautzellen.

Diese DNA-Schäden können zwar vom Körper selbst repariert werden, je früher und je intensiver die Haut aber dem Sonnenlicht ausgesetzt ist, desto schneller sind die körpereigenen Reparaturkräfte aufgebraucht. Heftige Sonnenbrände sind somit nicht nur eine akute Gesundheitsgefahr, sondern können auch nach langer Zeit zu schweren Hautkrebs-Erkrankungen führen. Klar ist aber auch, dass wir das Sonnenlicht brauchen, damit unser Körper das für unseren Stoffwechsel wichtige Vitamin D herstellen kann, das wiederum vor vielen Krebsarten

Lichtschutzfaktor

„Höhere Lichtschutzfaktoren haben nur wenig mehr Schutzwirkung, sind aber teuer und lassen sich aufgrund ihrer Dickflüssigkeit schwerer verteilen“, sagt Prof. Zutt.

schützt. Was also tun? Die Antwort ist ganz einfach: Raus in die Sonne – aber nicht ohne Sonnenschutz! Unser Körper kann auch Vitamin D bilden, wenn die Haut gut eingecremt ist – und der Kopf unter einem Sonnenhut oder einer Schirmmütze steckt. „Ideal ist eine Lotion mit Lichtschutzfaktor 30“, erklärt Zutt.

„Höhere Lichtschutzfaktoren haben nur wenig mehr Schutzwirkung, sind aber teuer und lassen sich aufgrund ihrer Dickflüssigkeit schwerer verteilen.“ Außerdem muss die Creme beide Wellenlängen – UVA und UVB gleichmäßig abdecken. Das aber ist bei den meisten Produkten inzwischen der Fall. Die Marke spielt bei der Wahl der Sonnencreme übrigens keine Rolle. In der Schutzwirkung sind Drogeriemarkt-Produkte genauso wirkungsvoll wie teure Apotheken-Produkte. Allein die Konsistenz der Creme könne bei teureren Produkten besser sein.

„Ab dem Frühjahr sollte man Kinder täglich dick eincremen“

Prof. Dr. Markus Zutt

Chefarzt Dermatologie

Auch für die besonders dünne und empfindliche Kinderhaut reicht Schutzfaktor 30 aus. „Ab dem Frühjahr sollte man Kinder täglich dick eincremen“, rät der Dermatologe, der selbst drei Kinder hat. Wenn es dann ein trüber Tag werde, mache das auch nichts. Sonnencremes enthalten pflegende Substanzen und die Schutzstoffe schaden gar nicht. Ein Sonnenbrand hingegen schon. Auch da hat Markus Zutt eine klare Meinung: „Ein Sonnenbrand bei Kindern ist Körperverletzung.“ Zum Sonnenschutz gehört neben der Sonnencreme auch die Kopfbedeckung.

Gerade Kinder sollten beim Spielen im Freien immer einen Sonnenhut oder eine Schirmmütze tragen. So bekommen sie weder einen Sonnenbrand auf der Kopfhaut noch einen unangenehmen „Sonnenstich“, der mit Fieber und Übelkeit einhergeht.

Für Kinder hat sich außerdem UV-Kleidung bewährt. „Diese Stoffe halten wirklich, was sie versprechen“, so Zutt. Ein gewöhnliches weißes Baumwoll-T-Shirt hingegen entspricht dem Schutzfaktor 4 – bietet praktisch also gar keinen Sonnenschutz, schon gar nicht im Wasser. Was sonst noch zu bedenken ist? Nach jedem Abkühlungsbad neu eincremen – auch wenn die Sonnencreme als wasserfest angepriesen wird.

Sollte es dennoch einmal schiefgehen – „bei kleinflächigen leichten Rötungen muss man erst mal gar nichts tun“, sagt Zutt. Sollten sich Blasen bilden, sei das aber ein Fall für den Arzt oder Notarzt. Dann liegen akute Entzündungen vor. Die Haut hat viel zu viel Licht abbekommen. Diese Verbrennungen können schnell zu Kreislaufproblemen führen. Behandelt wird mit der Zufuhr großer Mengen Flüssigkeit über Tropfinfusionen und mit Cortison.

„Man darf nicht vergessen – der schwarze Hautkrebs („Melanom“) ist eine der gefährlichsten Krebsarten, die der Mensch bekommen kann“, sagt Markus Zutt. Da das Risiko zu erkranken mit zunehmendem Alter steigt, rät der Dermatologe allen ab 35 Jahren alle zwei Jahre zu dem von der Krankenkasse bezahlten Hautcheck zu gehen. „Ab 40 Jahren wäre eine jährliche Untersuchung empfehlenswert, auch wenn sie privat bezahlt werden muss.“ Dabei sollte man darauf achten, dass der Hautarzt wirklich akribisch von Kopf bis Fuß untersucht.

Prof. Dr Markus Zutt ist seit 2011 Chefarzt der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Klinikum Bremen-Mitte. Vorher war Zutt als Oberarzt an der Universitätsklinik Göttingen tätig. Geboren ist Markus Zutt in Wetzlar und hat in Gießen, Freiburg und Mainz Medizin studiert. Nach dem Studium begann er
seine Laufbahn an der Hautklinik des Klinikums Darmstadt.

Zeit für Hautcheck

Der schwarze Hautkrebs ist eine der gefährlichsten Krebsarten, die der Mensch bekommen kann. Da das Risiko zu erkranken mit zunehmendem Alter steigt, rät Prof. Zutt allen ab 35 Jahren alle zwei Jahre zu dem von der Krankenkasse bezahlten Hautcheck zu gehen. Ab 40 Jahren ist eine jährliche Untersuchung empfehlenswert, auch wenn sie privat bezahlt werden muss.
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