Traumberuf trotz Corona

Nathalie Molter und Charlotte Arlt haben im vergangenen Jahr ihre Pflege-Ausbildung gestartet. Hier erzählen sie, wie das eigentlich unter Pandemie-Bedingungen funktioniert – und warum sie die Ausbildung trotz oder gerade wegen Corona begonnen haben.

VON SABINE GÜNDLING

Eine Ausbildung im Krankenhaus – gerade jetzt, mitten in der Corona-Pandemie? Nathalie Molter kann sich gut erinnern, was ihre Familie davon hielt. „Meine Eltern standen immer hinter mir, hatten aber große Bedenken“, erinnert sie sich. „Oh Gott, Kind, pass auf, meinst Du wirklich, dass das jetzt sein muss“ – solche Einwände habe sie zu hören bekommen. „Aber ich wusste: das ist das große Ding in meinem Leben.“ Auch ihre Mitschülerin Charlotte Arlt ließ sich durch die Zweifel in ihrer Familie nicht beirren. „Mir ist schnell bewusst geworden, dass meine Ausbildung anders ablaufen wird als geplant“, berichtet sie. Aber die Chance diesen tollen und wichtigen Beruf erlernen zu dürfen, wollte ich nicht verstreichen lassen. Nicht wegen Corona.“

Nathalie Molter und Charlotte Arlt sind beide 21 Jahre alt, kommen aus Bremen und haben zum 1. April 2020 ihre Ausbildung zur Pflegefachfrau mit generalistischer Ausrichtung am Klinikum Bremen-Mitte begonnen. Ihre Gründe sind ähnlich: „Schon immer wollte ich Menschen helfen und etwas Sinnvolles tun. Ich konnte mir nicht vorstellen, den ganzen Tag am PC zu arbeiten“, so Natalie Molter. Charlotte Arlt ergänzt: „Ich war ebenso schon immer von medizinischen Themen fasziniert und interessiert“. Dann aber kam die Corona-Pandemie und mit ihr ein neuer Alltag. Bedingt durch die ansteigenden Covid-Infektionen konnte die Ausbildung erst drei Wochen später starten. Aber auch das, was dann folgte, war natürlich durch die Pandemie geprägt: Strenge Hygienevorschriften, Maskenpflicht, Distanzunterricht – und natürlich die ständige Sorge, sich vielleicht doch zu infizieren.

 

Seit über einem Jahr lernen die beiden Pflege-Azubis nun Theorie am Bildschirm zu Hause oder in kleinen Gruppen vor Ort in der Schule. Der Kontakt zu Mitschülerinnen und Mitschülern, der Austausch über Lerninhalte – er läuft in der Regel über das Smartphone. „Einerseits konnten wir uns bisher als Klassenteam nie so richtig kennenlernen“, sagte Nathalie Molter. „Andererseits schweißt diese besondere Situation auch zusammen“. Das kann auch Charlotte Arlt bestätigen. „Einer antwortet immer, wenn man mal einen Rat oder Hilfe benötigt oder es einem einfach nicht gut geht.“ Die ungewohnte Lernsituation auf Distanz oder in Kleingruppen sei für die meisten eine Herausforderung und manchmal auch belastend. „Unsere Lehrkräfte unterstützen uns in dieser Situation sehr, und auch die digitale Lernplattform funktioniert gut“, findet Nathalie Molter. In Kürze werden alle Schülerinnen und Schüler zudem Laptops gestellt bekommen. Nicht nur deshalb blicken sie optimistisch in die Zukunft: im Sommer sind zwei Tage für gemeinsame Unternehmungen mit Schülern und Kursleitern geplant. „Darauf freuen wir uns alle.“

 

Gewohnte Situation: Charlotte verbringt viel Zeit beim Homeschooling

“Die Ausbildung mitten in Pandemiezeiten ist ja auch etwas Besonderes”

Ihre Praxiseinsätze erleben die angehenden Pflegeprofis trotz Corona hautnah im Krankenhaus. Auf den Corona-Stationen werden die Schülerinnen allerdings nicht eingesetzt. „Die Arbeit mit den Patientinnen und Patienten ist toll – auch wenn die Maske zugegebenermaßen oft nervt. Aber sie muss natürlich sein“, sagt Charlotte Arlt. Da derzeit in allen Krankenhäusern Besuchsverbot herrscht, sind viele Patientinnen und Patienten froh über den Kontakt mit den Auszubildenden. Nathalie Molter: „Es ist schön, für sie da zu sein, ihnen zuzuhören und sich zu kümmern. Viele unserer Patienten sind uns sehr dankbar dafür. Das wiederum gibt uns das gute Gefühl, dass wir einen tollen Job machen.“

Die Ausbildung wegen der Corona-Pandemie abgebrochen hat bisher niemand. Im Gegenteil, sie sind alle froh, die Ausbildung zu machen. „Den Lehrkräften ist es enorm wichtig, dass es uns gut geht, dass wir uns gegenseitig helfen und keiner auf dem Weg verloren geht“ berichtet Nathalie Molter. Und nicht zuletzt bringe die Pandemie auch einen Vorteil mit sich, findet Charlotte Arlt: „Die Digitalisierung in den Schulen geht voran.“ Ihre Mitschülerin ergänzt: „Und die Ausbildung mitten in Pandemiezeiten ist ja auch etwas Besonderes. Ich bin stolz auf diese Erfahrung.“ Was sich die beiden aber inzwischen sehnlichst wünschen: Ein großes Abschlussfest, mit allen Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften – ganz ohne Corona-Einschränkungen und mit der Möglichkeit, sich zum Abschied einfach mal wieder in den Arm zu nehmen.

 

Deutlich mehr Interesse an Pflege-Ausbildung

Ob es an der Pandemie liegt oder ob die bundesweiten Werbemaßnahmen der Grund sind, dass das Interesse an einer Pflege-Ausbildung gestiegen ist – darüber können Fachleute derzeit nur spekulieren. Die Bewerberzahlen jedenfalls sind gestiegen. Das bestätigt auch Daniela Wendorff, Leiterin der Bildungsakademie der Gesundheit Nord, zu der auch die Pflegeausbildung gehört. „Das Interesse bei den jungen Menschen an einer Pflegeausbildung hat im letzten Jahr erfreulicherweise deutlich zugenommen. Wir bieten derzeit 450 Ausbildungsplätze für die generalistische Ausbildung zur Pflegefachfrau bzw. Pflegefachmann und 40 Ausbildungsplätze für die generalistische Gesundheits- und Krankenpflegehilfe an und könnten, wenn ausreichend Pflegepädagogen auf dem Arbeitsmarkt verfügbar wären sogar einen zusätzlichen Ausbildungskurs anbieten“, sagt sie. Und das sei „eine überaus positive Kehrtwende“.

 

Die Ausbildung zur Pflegefachfrau/Pflegefachmann ist eine von insgesamt zwölf Ausbildungsmöglichkeiten in der Gesundheit Nord. In der Bildungsakademie, dem Ausbildungszentrum der Gesundheit Nord, werden insgesamt mehr als 900 Schülerinnen und Schüler in zwölf verschiedenen Gesundheitsfachberufen ausgebildet. Mehr Infos zur Ausbildung erhalten Sie unter www.gesundheitnord.de/ausbildung

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