Tumore in Mund und Hals: Wie man sie früh erkennt

Geschmacksstörungen haben meist harmlose Gründe, sie können aber auch ein Zeichen für Hals- und Kopftumore sein.

VON TIMO SCZUPLINSKI
Wenn der Geschmack fehlt, steckt meist eine Erkältung dahinter. Fehlt der Geschmack dauerhaft, kann das auch ein Anzeichen für ein ernsteres Problem sein.

Wenn wir nichts mehr schmecken, hat das meist recht harmlose Ursachen. Fast immer ist eine Erkältung schuld; eine verstopfte Nase, die Aromen, welche beim Kauen und Schlucken normalerweise wahrgenommen werden, nicht durchlässt. Was bleibt, sind die salzigen, bitteren, süßen, herzhaften und sauren Noten, die wir über die Geschmacksknospen der Zunge wahrnehmen. Nach ein paar Tagen ist der Weg wieder frei. Für viele Menschen hat dieses Phänomen aber einen sehr viel ernsteren Hintergrund. Denn Geschmacksstörungen oder ein taubes Gefühl im Mund zählen zu den möglichen Anzeichen eines Tumors im Mund-, Hals- oder Kopfbereich. Und auch während der Krebstherapie ist der fehlende Geschmackssinn eine zusätzliche Belastung.

„Neben andauernder Heiserkeit, Schmerzen und ständigen Problemen beim Schlucken gelten Geschmacksstörungen ebenfalls als Symptome bei Hals- und Kopftumoren“, sagt Prof. Dr. Andreas Naumann, Chefarzt der Hals-Nasen-Ohrenklinik am Klinikum Bremen-Mitte. Diese Tumore seien gar nicht so selten. Zwischen 12.000 und 15.000 Neuerkrankungen gebe es allein in Deutschland jedes Jahr. Viele dieser Patienten werden in Bremens einzigem zertifizierten Kopf-Hals-Tumor-Zentrum am Klinikum Bremen-Mitte behandelt. Bei Männern sind Tumore in Mund, Rachen oder Hals inzwischen sogar die fünfthäufigste Todesursache. Aber auch Frauen sind zunehmend davon betroffen.

„Meist ist dann eine Tumor-OP über möglichst kleine Schnitte nötig. Stark betroffene Gesichtspartien werden anschließend durch mikrochirurgische Eingriffe rekonstruiert“, sagt Prof. Naumann. Je nach Lage und Art des Kopf-Hals-Tumors schließt sich aber nicht selten nach der Operation noch eine Strahlen- oder Chemotherapie an, um einzelne eventuell noch vorhandene Krebszellen abzutöten und die Wahrscheinlichkeit eines Wiederkehrens des Tumors möglichst gering zu halten.

Prof. Andreas Naumann

Und hier kommt wieder der fehlende Geschmackssinn ins Spiel: Denn eine der häufigsten Nebenwirkungen der Chemo- und Strahlentherapie im Kopf- und Halsbereich sind Geschmacksstörungen. Die Mundschleimhaut verändert sich während der Therapie. Der Mund wird trockener. Auch wenn natürlich die Hoffnung der Betroffenen, die Krebserkrankung überhaupt zu überleben, über allem steht, „so kann der fehlende Geschmack auf Dauer zu einer zusätzlich quälenden Situation für die Patienten werden“, sagt Naumann.

Es sei ein Faktor, den man nicht unterschätzen solle. Bitteres schmeckt dann meist noch bitterer, Süßes wird oft entweder als noch süßer oder viel weniger süß wahrgenommen. Andere Gerichte, die die Betroffenen zuvor gerne gegessen haben, schmecken ihnen plötzlich zu salzig, zu fad oder haben einen metallischen Nachgeschmack. Dies alles beeinträchtigt den Appetit und die Lust am Essen. Und ohne eine ausreichende Ernährung hat auch der Körper der Krebserkrankung weniger entgegenzusetzen.

Noch gibt es keine Therapie für diese Nebenwirkung. Dennoch kann man das Geschmacks-empfinden mit ein paar Tricks und Kniffen positiv beeinflussen. „Betroffene sollten das essen, worauf sie Appetit haben, und essen, wann sie wollen“, rät Irmela Ubben, Ernährungsberaterin im Klinikum Bremen-Mitte. Helfen könne es auch, den Mund vor einer Mahlzeit kurz auszuspülen oder zwischendurch ein Kaugummi zu kauen. Bei manchen helfe es sogar, das Metallbesteck gegen Plastikbesteck zu tauschen, um den metallischen Geschmack zu reduzieren.

Bei der häufig auftretenden Aversion gegen Fleisch oder Wurst rät Ubben, verstärkt Milchprodukte, Eier und Tofu auf den Speiseplan zu setzen oder auch mal Sahne an die Suppe zu geben, da Eiweiß sehr wichtig sei bei der Ernährung Krebskranker. Helfen könnten auch milde Gewürze wie Rosmarin oder Basilikum und wohlschmeckende Öle.

Hier geht es zur HNO-Klinik des Klinikums Bremen-Mitte

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