„Unser Körper braucht Reize, damit er stabil bleibt”

Knochen und Muskeln halten unseren Körper zusammen. Das Gerüst ist belastbar, aber auch anfällig. Prof. Dr. Michael Paul Hahn spricht  im Interview über die größten Schwachstellen und passendes Training.

Herr Prof. Hahn, Sie haben vermutlich den besten Überblick: Wie gut gehen die Menschen heute mit ihrem Körper – insbesondere mit den Knochen und Muskeln – um?

Prof. Michael Paul Hahn: Die meisten Menschen sehen es als selbstverständlich an, dass ihre Knochen und Muskeln funktionieren. Da ist es wie mit der Technik. Solange alles okay ist, machen wir uns keine Gedanken. Viele beschäftigen sich erst mit ihrem Körper, wenn Probleme oder Warnsignale auftreten. Dies trifft insbesondere auch auf den Bewegungsapparat zu.

Wie stabil ist denn unser Körpergerüst?

Zunächst einmal sind unsere Knochen und Muskeln sehr strapazierfähig. Aber das Wichtigste ist: Sie müssen trainiert werden. Sie brauchen Reize durch Bewegung, damit sie stabil bleiben. Vor allem geht es da um die sogenannte quer gestreifte Muskulatur, die wir willkürlich beeinflussen können. Die brauchen wir, wenn wir greifen, stehen oder laufen wollen. Der Herzmuskel und die glatte Muskulatur, etwa im Magen-Darm-Trakt, arbeiten völlig autonom.

Und wo liegen die Schwachstellen?

Der Rücken muss einiges aushalten. Hier haben wir zwar die stärksten Muskeln. Falsche Belastungen, Fehlhaltungen, fehlende Stabilität – das alles kann aber langfristig zu dauerhaften Veränderungen der Wirbelsäule und somit zu Problemen und Schmerzen führen.

Warum neigen wir zu einer ungesunden Haltung?

Dass wir aufrecht gehen, nach anfänglicher Übung (lacht), klappt automatisch. Darauf müssen wir uns nicht konzentrieren. Eine gute gerade Körperhaltung aber ist eine bewusste Aktion, für die wir uns anstrengen müssen. Unser Körper arbeitet so, dass wir gerne eine energieschonende Haltung einnehmen, um Kräfte zu sparen. Der Kopf sinkt etwa nach unten, wir lassen die Schultern hängen, statt uns gerade zu machen.

Falsche Bewegungen sind das eine. Was bedeutet es für Knochen und Muskeln, wenn wir uns zudem noch zu wenig bewegen?

Zu wenig Bewegung schwächt Knochen und Muskeln ungemein. Die Muskelmasse bildet sich bereits nach wenigen Tagen ohne Reize zurück. Genauer: Muskeln verfetten, sie werden träge. Muskelmasse wird verstoffwechselt, wenn sie nicht mehr gebraucht wird.

Und bei Knochen?

Knochen brauchen ebenfalls Reize, eine Belastung, damit sie mit Kalzium versorgt werden und stabil bleiben. Bewegung ist das beste Training. Nach einem Monat ohne Belastung – wie etwa in der Schwerelosigkeit – sieht der Knochen in etwa so aus, wie bei einem Osteoporose-Patienten. Die Dichte wird deutlich geringer, der Knochen wird instabiler. Bei älteren Patienten geht dieser Prozess besonders schnell, deshalb ist es so wichtig, dass sie in Bewegung bleiben.

Im Krankenhaus hat man aber nach einer OP oft gezwungenermaßen eine Bewegungspause.

Deshalb ist es gut, dass die Verweildauer im Krankenhaus immer kürzer ausfällt. Die schonenden Operations- und Narkosemöglichkeiten sowie das moderne Material, das wir heute einsetzen, lässt Patienten viel schneller wieder auf die Beine kommen. Wir können heute auch komplizierte Brüche so stabilisieren, dass die Funktionalität von Knochen und Muskeln aufrechterhalten bleibt.

Welches Knochen- und Muskeltraining würden Sie denn konkret empfehlen?

Was das Joggen für jüngere Menschen ist, ist das gelenkschonendere Spazierengehen für die älteren. Das unterstützt Muskeln und Knochen, trainiert aber auch Herz und Lunge, hält fit und fördert die Koordination. Wenige Kilometer am Tag oder eine halbe Stunde Bewegung sind da schon ausreichend. Ich würde mir zudem wünschen, dass das Fitnessstudio gerade bei älteren Menschen viel stärker in den Fokus rückt.

Warum?

Weil dort noch einmal gezielt am Haltungsapparat gearbeitet werden kann. Gerade die Rückenmuskulatur macht vielen Menschen heute frühzeitig Probleme. Niemand soll im Alter noch einmal zum Bodybuilder aufsteigen. Aber viele Kräftigungsübungen machen einfach großen Sinn, um langfristig Probleme zu vermeiden. Deshalb sollte das Fitnessstudio auch für ältere Menschen kein Tabu sein.

Prof. Michael Paul Hahn ist Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie am Klinikum Bremen-Mitte. Als überregionales Traumazentrum kann sein Team auch die kompliziertesten Unfallverletzungen operieren. Außerdem ist die Klinik bekannt als Zentrum für Gelenkersatz.

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