Unterstützer in schweren Zeiten – Ehrenamt auf der Palliativstation

Ehrenamtliche gehören auf der Palliativstation fest zum Team. Sie verbringen Zeit mit den Patienten, unterhalten sich oder backen gemeinsam. Wir haben Uschi Gerdes und Eva Zerwas bei ihren Einsätzen im Klinikum Links der Weser begleitet.

VON STEFANIE BECKRÖGE (TEXT) UND KERSTIN HASE (FOTOS)

Uschi Gerdes suchte nach dem Tod ihres Mannes eine für sie sinnvolle Tätigkeit. Eine, in die sie ihre Erfahrungen mit dem Leben und dem Abschiednehmen einbringen kann. „Ich etwas tun, das lebenswichtig ist“, sagt sie. Uschi Gerdes findet ihre Aufgabe als Ehrenamtliche auf der Palliativstation am Klinikum Links der Weser. Inzwischen begleitet sie seit knapp zwei Jahren dort Patienten und Angehörige in einer schweren Zeit. Zwei bis drei Stunden in der Woche ist sie dort, backt gemeinsam mit ihnen, führt Gespräche und nimmt ihnen so ein wenig Last ab. Dabei werde sogar sehr häufig auch gelacht und gescherzt, erzählt die Rentnerin. Sie möchte ihre Tätigkeit auf keinen Fall missen. „Das ist so bereichernd für mich“, sagt sie.

Das sieht auch Vera Zerwas so. Auch sie hat sich durch den Tod der Eltern mit dem Sterben auseinandergesetzt und möchte nun anderen Menschen, die in dieser Situation stecken, zur Seite stehen. Neben ihrer psychotherapeutischen Ausbildung ist sie ein bis zwei Mal pro Woche für die Patienten da, liest vor und bleibt auch mal ein paar Stunden am Bett sitzen, wenn sich jemand vor dem Alleinsein fürchtet.

Zwanzig Ehrenamtliche zwischen 40 und 80 Jahren sind zurzeit auf der Palliativstation tätig, darunter auch sechs Männer. Aber Jutta von Krogh vom hauptamtlichen Team der Palliativstation, die die Arbeit aller Ehrenamtlichen koordiniert, wünscht sich, dass es noch mehr Unterstützer werden und sucht nach weiteren Freiwilligen. „Interessierte können sich bei uns melden und werden zu einem persönlichen Gespräch eingeladen, sagt sie. Danach folgen zwei Hospitationstermine. Stimmen dann alle dem zukünftigen Einsatz des Ehrenamtlichen zu, folgt vor Tätigkeitsbeginn zunächst ein externer Hospizkurs für die Begleitung Schwerstkranker und Sterbender. Die Kosten dafür trägt, wie überhaupt alle Kosten für das Ehrenamt, der Förderverein der Palliativstation.

Voll ins Team eingebunden

„Ohne ihn wäre das Alles gar nicht denkbar“, sagt Jutta von Krogh. Der Förderverein trägt auch weitere Fortbildungen für die Ehrenamtlichen, angeleitete Gesprächsrunden zur Aufarbeitung des Erlebten und themenbezogene Ausflüge des Teams. Eine solide Basis für die Ehrenamtlichen liege dem Verein sehr am Herzen, sagt Jutta von Krogh. Das empfinden Uschi Gerdes und Vera Zerwas auch so. „Man ist sehr gut ins Team mit Ärzten, Pflegenden und Therapeuten eingebunden und kann auch eigene Schwerpunkte und Ideen einbringen“, lobt Vera Zerwas. Und das ist auch ausdrücklich erwünscht: „Das Ehrenamt hat für uns eine hohe Bedeutung. Ehrenamtliche sind für uns ein selbstverständlicher Teil unseres Betreuungskonzeptes“, sagt Jutta von Krogh.

Die ehrenamtliche Arbeit auf der Palliativstation am Klinikum Links der Weser empfindet Uschi Gerdes als besonders bereichernd.

Interesse an einem Ehrenamt auf der Palliativstation? Dann schreiben Sie uns!

12 Betten hat die Palliativstation am Klinikum Links der Weser. Hier werden unheilbar kranke Erwachsene behandelt, gepflegt und therapiert. Im Vordergrund steht dabei, den Betroffenen und ihren Angehörigen die letzte Zeit so angenehm wie möglich zu machen. Die Patienten werden medikamentös gut eingestellt, so dass unangenehme Begleiterscheinungen ihrer Erkrankung wie Schmerzen, Übelkeit oder Müdigkeit gelindert werden und sich damit die Lebensqualität verbessert. Die Palliativstation ist kein Hospiz. Dennoch ist der Tod präsenter als an vielen anderen Orten.

Viele der Ehrenamtlichen, die auf der Palliativstation am Klinikum Links der Weser im Einsatz sind, haben, wie Uschi Gerdes oder Vera Zerwas, den Tod enger Angehöriger miterlebt. Einige haben die Palliativstation dadurch schon schätzen gelernt und wollen nun zurückgeben, was sie an Unterstützung und Trost erfahren haben. „Die Erfahrung mit dem Tod Angehöriger kann hilfreich sein, aber der Todesfall sollte mindestens ein Jahr zurückliegen“, sagt Jutta von Krogh. Denn eine emotionale Stärke und Belastbarkeit sei schon Voraussetzung für die Tätigkeit, ebenso wie Verbindlichkeit und Verlässlichkeit.

Aber auch wer keinen so engen Kontakt zu den Patienten haben möchte, ist gern gesehen. Man könne sich beispielweise auch durch Verwaltungstätigkeiten einbringen oder helfen, die Station durch schöne Dekorationen oder durch Bepflanzung der Terrassen zu einem wohnlichen Ort zu machen. Die Aufgaben für Ehrenamtliche auf der Palliativstation sind vielfältig, die Wertschätzung hoch. Vera Zerwas und Uschi Gerdes können das nur bestätigen: „Wir alle sind ein tolles Team hier. Eines, das sich gegenseitig unterstützt und auch stützt, wenn einem eine Situation mal zu nahe geht.“

Fon: 0421/879-1554 (Jutta Krogh, Koordinatorin)
E-Mail: jutta.krogh@klinikum-bremen-ldw.de

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