Zeitumstellung: Warum eine dauerhafte Sommerzeit dem Körper schaden kann

Nach dem Beschluss des EU-Parlaments soll die Zeitumstellung 2021 abgeschafft werden. Welche Zeit dann dauerhaft gelten soll, ist bislang noch ungewiss. Mediziner wie Dr. Erik Chankiewitz sind gegen eine dauerhafte Sommerzeit. Wie er das begründet und wie sich die Zeitumstellung überhaupt auf den Körper auswirkt, lesen Sie hier.

VON TIMO SCZUPLINSKI UND MAGNUS HANSEN

In der Nacht von Sonnabend auf Sonntag, 31. März, werden die Uhren wieder um eine Stunde vorgestellt. Für viele ist das vor allem eins: umständlich. Nicht nur Uhren und Wecker müssen neu gestellt werden, auch die innere Uhr muss sich neu einpendeln. Viele Zeitumstellungen wird es nach dem aktuellen Beschluss des EU-Parlaments aber nicht mehr geben. Wenn 2021 die Zeitumstellung abgeschafft werden soll, rät Dr. Erik Chankiewitz aus medizinischer Sicht dazu, nicht die Sommerzeit als dauerhafte Zeit zu wählen.

„Die dauerhafte Abschaffung der Winterzeit kann zu erheblichen Gesundheitsstörungen führen“, sagt der Chefarzt der Augenklinik am Klinikum Bremen-Mitte. Frühes Wachwerden, vermehrte Tagesmüdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Stimmungstiefs aber auch organische Probleme wie Stoffwechselstörungen wegen eines erhöhten Insulinbedarfs, Herz-Kreislaufstörungen, Hormonveränderungen und ein geschwächtes Immunsystem könnten die Folge sein.

Aber warum? „Licht ist der wichtigste Zeitgeber unseres Körpers“, sagt Chankiewitz. Eine künstliche Verlängerung der Helligkeit abends, wie es bei einer ständigen Sommerzeit der Fall wäre, könne somit eine erhebliche Verschiebung unseres Tag-Nacht-Rhythmus verursachen. Ähnlich wie die Lichtreize beim Blick auf das Smartphone oder das Tablet, die das Gefühl der Müdigkeit hinauszögern können.

„Das Schlafhormon Melatonin wird von der Zirbeldrüse ausgeschüttet und hilft dabei, dass sich der Schlafrhythmus einpendelt“, erklärt Chankiewitz. Bei mehr Licht werde Melatonin weniger stark ausgeschüttet. Die Folge: Der Körper merkt nicht, dass etwa die Ruhephase begonnen hat. „Die Wahrnehmung des Lichtes ist eng an die Funktion des Auges gekoppelt“, sagt Chankiewitz. „Bei Erblindung etwa läuft die innere Uhr frei, so dass Patienten zeitweise völlig desynchronisiert sind und nachts wach und tagsüber müde sind.“

Dr. Erik Chankiewitz

Bis die Zeitumstellung abgeschafft wird, dauert es zwar noch ein wenig. Doch auch die eigentliche Zeitumstellung am kommenden Sonntag hat Auswirkungen auf den Körper. „Gesunde Menschen fühlen sich vielleicht etwas müde und antriebslos, die Zeitumstellung ist für sie aber nicht gefährlich – eher etwas unkomfortabel“, sagt hier der Gefäßmediziner Prof. Dr. Heiner Wenk, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Gefäß- und Viszeralchirurgie am Klinikum Bremen-Nord.

Etwas risikoreicher könne die Zeitumstellung für Menschen mit Vorerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems sein. Das hänge damit zusammen, dass in den frühen Morgenstunden die Gefahr etwa für einen Herzinfarkt generell höher sei, als zu anderen Tageszeiten. Denn: Der Stresshormon-Spiegel steige besonders in der Aufwachphase. Die Nebenniere fahre etwa gegen vier Uhr – in Vorbereitung auf das morgendliche Aufstehen – die Produktion des Stresshormons Cortisol hoch.

„Wenn man zu dieser Uhrzeit wach wird, kann das Wiedereinschlafen besonders schwer werden“, sagt Wenk. Hinzu komme, dass morgens auch die Blutgerinnung besonders stark sei, die Thrombozyten leicht verklumpten und sie so lebensnotwendige Blutgefäße sogar verschließen könnten. Zusätzlicher Stress durch die Zeitumstellung könne dieses tückische Zusammenspiel verstärken.

Prof. Dr. Heiner Wenk

Zeitumstellung „wie ein Mini-Jetlag“

Anfällig für Schlafprobleme sind laut dem Arzt zudem ältere Menschen. Gerade bei ihnen könne sich die Gewöhnung an den neuen Zeitrhythmus einige Tage oder sogar Wochen hinziehen, da bei ihnen das Schlafhormon Melatonin weniger stark produziert werde. Wer trotz Zeitumstellung eine möglichst ruhige Nacht haben und anschließend möglichst stressfrei aufstehen möchte, der sollte laut Wenk eine Stunde früher ins Bett gehen. Ein ausgedehnter Spaziergang – nicht zu spät – könne ebenfalls gut für die Nacht sein und das Einschlafen unterstützen. Man solle sich außerdem am Morgen Zeit lassen zum Aufstehen, damit man nicht gleich gestresst in den Tag starte.

„Die Zeitumstellung wirkt auf den Körper wie ein Mini-Jetlag“, sagt Wenk. Weitaus anstrengender für den Körper sei allerdings ein echter Jetlag nach einem Langstreckenflug. Dann nämlich müsse sich die innere Uhr gleich mit einem Unterschied von mehreren Stunden neu einpendeln und den Hormonhaushalt neu regulieren. Da bewältige der Körper die Umstellung auf Sommerzeit im Normallfall vergleichsweise problemlos.

Hier geht es zur Augenklinik am Klinikum Bremen-Mitte

Hier geht es zur Klinik für Allgemein-, Gefäß- und Viszeralchirurgie am Klinikum Bremen-Nord

 

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