Weltweit erste komplette Unterkiefer-Rekonstruktion

Zwei Wadenbein-Knochen, zwei Prothesen und dazu einige Zahnimplantate. Das sind gewissermaßen die Zutaten für einen neuen Unterkiefer. Als weltweit erster Chirurg hat Prof. Jan Rustemeyer am Klinikum Bremen-Mitte einen solchen komplett rekonstruiert.

VON STEFANIE BECKRÖGE (TEXT) UND KERSTIN HASE (FOTOS)

Schubweise muss sie immer wieder schmerzhafte Entzündungen im Unterkiefer aushalten. Und das schon seit Jahren. Doch alles, was die Patientin aus dem Bremer Umland, die ihren Namen hier nicht nennen möchte, ausprobiert, hilft ihr nicht weiter. Weder eine spezielle Schiene noch Antibiotika oder Kortison können ihr Problem dauerhaft stoppen. Alle anderen Erkrankungen, die diese Symptome auslösen können, wie Tumore oder Zysten, Rheuma oder auch eine starke Osteoporose, können ausgeschlossen werden. Die Patientin ist Nichtraucherin, so dass die Entzündungsherde auch keine Folge eines starken Tabakkonsum sein kann.

2012 wendet sich die heute 53-Jährige das erste Mal an die Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. Sie ist verzweifelt, gilt aus austherapiert. Durch umfassende Untersuchungen und eine Computertomografie finden Chefarzt Prof. Jan Rustemeyer und sein Team nicht nur die Entzündungsherde, sondern können auch zeigen, dass nur noch wenig Knochenmark in den Kieferknochen vorhanden ist.

Es ist der Anfang für eine Reihe ganz besonderer Eingriffe der Bremer Klinik. Am Ende wird die Patientin einen komplett neuen Unterkiefer bekommen. Etwas, das weltweit bis dato noch keine Chirurgie-Team geleistet hat.

Aber der Reihe nach: Das Ärzteteam entscheidet zunächst, aus zwei Wadenbeinknochen einen neuen Unterkiefer zu rekonstruieren und nach der Heilung Zahn- Implantate einzusetzen. In einer Operation, die etwa fünf Stunden dauert, entnehmen zwei Operationsteams Knochenmaterial und Gefäße aus dem Unterschenkel und modellieren daraus einen neuen Unterkiefer, der am Kiefergelenk befestigt wird. Die erfolgreiche Operation bedeutete drei Jahre Ruhe für die Patientin. Sie ist beschwerdefrei, kann alles beißen und kauen und hat keinerlei Einschränkungen beim Sprechen.

Dann aber kommt sie im vergangenen Jahr zurück in die Klinik. Diesmal ziehen die Schmerzen bis hoch ins linke Kiefergelenk. Nach den Voruntersuchungen ist klar – auch das Kiefergelenk muss komplett ausgetauscht werden. Dass drei Jahre seit der letzten Operation vergangen sind, erweist sich als Glücksfall. „Inzwischen ist man sehr viel weiter in der Herstellung von dauerhaftem künstlichen Gelenkersatz“, erzählt Rustemeyer. Die Patientin bekommt einen maßangefertigten Gelenkkopf aus Kunststoff und eine Gelenkpfanne aus Metall.

Chefarzt der Klinik für Mund-,Kiefer-und Gesichtschirurgie, Prof. Dr. Jan Rustemeyer, zeigt das Modell der Unterkieferrekonstruktionen. Der Unterkiefer wurde in mehreren Eingriffen zum Teil aus eigenem Knochenmaterial der Patientin, zum Teil aus Kunststoff-und Metall-Prothesen aufgebaut.

Alles scheint endgültig gut zu sein. Bis zu Beginn dieses Jahres der rechte aufsteigende Ast des Kiefers zu schmerzen beginnt. Nun müssen auch Gelenkkopf und Gelenkpfanne auf der rechten Seite durch Prothesen ersetzt werden. Die komplette Rekonstruktion des Unterkiefers durch Knochen Prothesen und Zahnprothesen ist somit vollendet. Die ewige Zeit der Schmerzen ist für die Patientin vorüber. Mit ihrem komplett neuen Unterkiefer kann sie heute wieder ohne Probleme zubeißen.

Die Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie am Klinikum Bremen-Mitte ist auf schwierige Fälle spezialisiert. Prof. Jan Rustemeyer und sein Team führen etwa 100 hochkomplizierte Eingriffe im Jahr durch. Die meisten Betroffenen sind Krebspatienten.

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