Wenn Kinder krank werden: Vorsicht vor der Selbstdiagnose!

Wenn Kinder krank sind, leiden natürlich auch die Eltern. Noch vor dem Arzt wird dann oft das Internet um Rat gefragt. Kinderarzt Dr. Martin Claßen warnt jedoch vor falschen und voreiligen Schlüssen.

Herr Dr. Claßen, provokant gefragt: Wen kontaktieren die meisten Eltern zuerst, wenn ihr Kind krank ist: Google oder den Kinderarzt?

Dr. Martin Claßen: Es ist normal, dass sich Eltern bereits ausgiebig zu Symptomen oder Diagnosen informiert haben, bevor sie mit ihrem Kind zum Arzt gehen. Das ist auch verständlich und zeigt, dass sie sich mit den Beschwerden beschäftigen. Es geht schließlich viel schneller mit ein paar Klicks. Und jeder möchte ja am liebsten möglichst schnell gesagt bekommen, dass sie sich keine Sorgen mehr machen müssen. Das Gegenteil ist jedoch oft der Fall.

Warum?
Weil die Antworten aus der Suchmaschine oft noch größere Ängste machen und auch falsche Schlüsse zulassen. Man bekommt die ganze Bandbreite an Krankheiten präsentiert, um die es sich vielleicht handeln könnte. Die Suchmaschine sortiert nicht nach Wahrscheinlichkeiten und kennt nicht die konkreten Befunde des Kindes. Meist deckt sich die Annahme der Eltern dann aber nicht mit der Einschätzung des Kinderarztes.

Wie gehen Sie mit den Selbstdiagnosen um?
Ich versuche den Eltern zu vermitteln, dass ich ihren Einschätzungen gegenüber offen bin. Meine Botschaft ist immer: Wenn Sie etwas beschäftigt, bringen Sie es mit und wir sprechen darüber. Ich war noch nie der Ansicht, dass der Arzt allein weiß, was für die Kinder gut ist. Denn niemand kennt die Kinder so gut wie die Eltern. Unser Team und ich möchten immer nach gemeinsamen Lösungen suchen.

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Ist die Lösung für einen Arzt nicht schnell klar?
Bei einem gebrochenen Bein oder einem entzündeten Blinddarm ist das vielleicht noch so. Doch in vielen anderen Bereichen ist die Suche nach der richtigen Behandlung naturgemäß schwieriger. Wir versuchen dann über die Darstellung der Befunde gemeinsam mit Eltern und gegebenenfalls Kindern nach einer guten, praktikablen und akzeptierten Lösung für die Erkrankung zu suchen.

Haben Sie ein Beispiel?
Besonders wenn die Kinder unter Bauchschmerzen leiden, haben die Eltern oft alle möglichen Sorgen und Vorstellungen, was sich dahinter verbergen kann. Und tatsächlich können Bauchschmerzen die unterschiedlichsten Gründe haben. Um den Eltern und auch den Kindern mehr Gewissheit zu geben, müssen wir als Ärzte also gut aufklären, welche Hintergründe die Beschwerden haben können und welche Therapie aus unserer Sicht die geeignetste ist.

Kommt es da oft zu Konflikten?
Wir sind schon ab und an in der Rolle, Eltern von einem bereits eingeschlagenen, aber falschen Weg wieder abzubringen. Es gibt viele Mythen und falsche Vorstellungen zur Ursache von Krankheiten. Beispiele sind Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall. Da liegt die Diagnose einer Nahrungsunverträglichkeit nahe und ratlose Eltern greifen oft nach jedem Strohhalm, streichen Kuhmilch vom Speiseplan oder beginnen mit einer glutenfreien Ernährung, auch wenn es noch gar keine Beweise für eine solche Diagnose gibt.

Ein falscher Weg?
Ja, denn viele Störungen haben keine organische Ursache oder sind vorübergehend, durch Infektionen oder Stressbelastung bedingt. Dann können einschneidende Ernährungsumstellungen ohne fundierte Diagnose durch einen Facharzt erst recht zu Störungen und Mangelzuständen bei Kindern führen. Deshalb die dringende Bitte: Unbedingt die Meinung eines Experten einholen, bevor man sich auf den Weg zur Selbstdiagnose macht.

Und wie sollen die Familien mit den überall verfügbaren Informationen umgehen?
Ich freue mich über Informationsbedürfnis und Wissensdrang bei unseren Patienten. Denn mit informierten und kompetenten Eltern und Kindern diskutiert es sich viel leichter, weswegen wir viel Wert auf Information und Schulung legen. Da können wir aber auch aussuchen, welche Informationen zur Erkrankung passen. Das verbessert bei chronischen Erkrankungen dann auch den Verlauf.

Dr. Martin Claßen ist Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Links der Weser und der Prof.-Hess-Kinderklinik am Klinikum Bremen-Mitte

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