Gegen Sinusitis: Wie ein Pop-up-Zelt für die Nase

Die kalte Jahreszeit ist Hochsaison für Nasennebenhöhlenentzündungen. Moderne Mini-Stents, die sich von allein wieder auflösen, versprechen nun aber eine langfristige Besserungen bei chronischer Sinusitis.

VON TIMO SCZUPLINSKI (TEXT) UND KERSTIN HASE (FOTOS)

Das kleine zusammengerollte Kunststoffnetz ist gerade einmal zwei Zentimeter groß. Schiebt man es vorsichtig aus seiner Hülle, entfaltet es sich wie ein Pop-up-Zelt, es baut Spannung auf und bietet stabilen Schutz. Gerade bei hartnäckigen, chronischen Nasennebenhöhlenentzündungen, die jetzt in den Wintermonaten bei vielen Menschen verstärkt auftreten, hat bisher kaum eine Behandlungsmethode langfristigen Erfolg gebracht. Der hochmoderne Mini-Stent dagegen ist „ein echtes Multitalent und Hoffnungsmacher für viele Patienten“, sagt Prof. Andreas Naumann, HNO-Chefarzt am Klinikum Bremen-Mitte.

Wie er eingesetzt wird? Mit einem Endoskop wird der Stent als engzusammengerolltes Netz vorsichtig in Richtung der Nasennebenhöhlen geschoben. Dorthin, wo die Nasenschleimhaut bei einer chronischen Sinusitis dauerhaft geschwollen ist, das Sekret aus den Höhlen also nicht abfließen kann und so für oft schmerzhafte Entzündungen sorgt. Der kleine Stent wird dann direkt in den zugeschwollenen Gängen entfaltet. Dort hält er den Durchgang wie eine Tunnelröhre offen. „Dadurch kann die Luft nicht nur wieder gleichmäßig zirkulieren. Der Stent versorgt die Umgebung zudem auch konstant mit Kortison“, sagt Prof. Naumann. Das entzündungshemmende Medikament hilft somit dabei, dass die Schleimhäute abschwellen.

“Eine großartige Innovation”

Eine weitere Besonderheit: Der Mini-Stent löst sich nach etwa vier Wochen von alleine wieder auf. Er muss also nicht in einem zweiten Eingriff herausoperiert werden. „Das ist eine großartige Innovation in der Nasennebenhöhlenchirurgie – für Patienten wie Ärzte“, sagt Naumann. Denn dadurch, dass sich der Stent Stück für Stück auflöse, habe das Gewebe drum herum Zeit sich so zu stabilisieren, dass der Durchgang dauerhaft geöffnet bleiben kann. „Früher wäre nach der Entfernung eines Stents alles wieder ins sich zusammengefallen und nach wenigen Tagen zugeschwollen“, vergleicht es Naumann. Mit dem hochmodernen Material, das er nun einsetzen kann, ist die Chance um ein Vielfaches größer, dass der Kanal dauerhaft geöffnet bleibt – und die Entzündung nicht wiederkehrt. Im neuen Klinikum Bremen-Mitte ist zudem vom Video-Endoskop bis zur Erfahrung mit derlei feinen Eingriffen alles da, was es braucht, um solche Eingriffe durchzuführen. Die ersten Patienten hat Naumann bereits mit dem neuen Verfahren operiert. „Mit diesem Verfahren behandeln wir auf dem höchsten Level, das es in diesem Bereich gibt“, sagt Naumann.

Der Mini-Stent ist zunächst ganz eng zusammengerollt. In der Nase entfaltet er sich dann, drängt die geschwollene Schleimhaut zur Seite und sorgt so für eine regelmäßige Luftzirkulation.

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