Zu Besuch auf der Frühchenstation: “Die Entwicklung ist immens”

Zum Frühgeborenen-Tag 2020: Andrea Matzke ist seit 45 Jahren Teil des Pflegeteams auf der Frühgeborenen-Station im Klinikum Bremen-Nord. Ein Rückblick auf eine bewegende Zeit voll Empathie, medizinischem Fortschritt und einem Wandel in der Pflege.

VON TIMO SCZUPLINSKI

Es klingelt am Eingang der Frühgeborenen-Station. Als Andrea Matzke die Tür öffnet, steht da eine Frau mit einem jungen Mann vor der Tür. Was die drei im ersten Moment nicht wissen: Sie sind sich schon einmal begegnet, doch das erste Mal liegt bereits viele, viele Jahre zurück. „Die Frau wollte ihrem mittlerweile erwachsenen Sohn einmal zeigen, wo er die ersten Wochen seines Lebens verbracht hat“, sagt Andrea Matzke, als sie über diese besondere Begegnung vor einigen Jahren spricht. Und wie sich damals schnell herausstellt, ist der junge Mann einst das erste Kind gewesen, dem Andrea Matzke auf der Frühgeborenen-Station im Klinikum Bremen-Nord zu einen gesunden Start ins Leben verhalf. 1978 war das, kurz nach ihrem Examen. Drei Jahre zuvor hatte Matzke als damals 17-Jährige die Ausbildung zur Kinderkrankenschwester begonnen. Das ist mittlerweile 45 Jahre her.

„Seither gab es eine immense Entwicklung in der Frühgeborenen-Versorgung“, sagt Andrea Matzke. Da ist einmal natürlich der medizinische und technische Fortschritt. Als Andrea Matzke ihre Laufbahn am Klinikum Bremen-Nord begann, stieg auf Station die Anspannung, wenn ein Kind bereits in der 32. Woche zur Welt kam, das Kind weniger als 1.000 Gramm wog. Heute ist es normal, dass auch Kinder, die in der 24. Woche und weniger als 500 Gramm wiegen, gute Chancen haben auf einen gesunden Start ins Leben.

Auch Fehlbildungen, denen heute besser vorgebeugt werden kann, waren früher ein viel zentraleres Thema. Es gab mehr Kinder, die es gar nicht erst auf die Frühchenstation geschafft haben. „Da sind wir heute ein großes Stück weiter. Dennoch haben wir nach den damaligen Möglichkeiten ja sehr, sehr viel richtig gemacht“, betont Andrea Matzke. Die Frühchen-Station sei schon immer ein hochtechnisierter Bereich – und ein Bereich, in dem sie selbst immer mitwachsen konnte. Das ist vielleicht auch ein Grund, warum ein Wechsel zu einem anderen Krankenhaus für Andrea Matzke nie wirklich infrage kam. Denn weiterentwickeln konnte sie sich über all die Jahre auch im Klinikum Bremen-Nord.

„Was man nicht vergessen darf: Wir waren früher oft für lange Zeit die einzige Bezugsperson für die Kinder. Die Eltern haben ihre Kinder oft nach vier, fünf, sechs Wochen überhaupt zum ersten Mal auf den Arm bekommen.“

Heute enge Zusammenarbeit mit den Eltern

Auch das Miteinander auf Station ist laut Andrea Matzke heute nicht ansatzweise mehr vergleichbar zu ihrer Anfangszeit in den 1970-er-, 80-er-Jahren. „Früher war alles stark geprägt von einer strengen Hierarchie. Man hat das gemacht, was die Oberschwester gesagt hat“, sagt sie. Mit eigenverantwortlicher Pflege – wie man sie heute kennt – sei es damals noch nicht weit her gewesen. Heute dagegen genieße sie regelrecht die flachen Hierarchien, die Teamarbeit, dass man sich auf Augenhöhe begegnet – und vor allem auch die engere Zusammenarbeit mit den Eltern.

„Was man nicht vergessen darf: Wir waren früher oft für lange Zeit die einzige Bezugsperson für die Kinder. Die Eltern haben ihre Kinder oft nach vier, fünf, sechs Wochen überhaupt zum ersten Mal auf den Arm bekommen“, sagt Matzke zurückblickend. Das Rooming-In – also dass Eltern früh bei ihren Kindern im Krankenhaus sein konnten – entwickelte sich erst während der 1990er Jahre. Wie wichtig die Zusammenarbeit mit den Eltern heute ist, spürt sie täglich. Das aufeinander eingehen, Zusammenhänge erklären, Empathie zeigen, Sorgen und Ängsten begegnen ist längst zu einem elementaren Bestandteil ihrer Arbeit geworden. Einmal wechselt Andrea Matzke sogar die Rollen. Denn eines Tages wird sie selbst Mutter von Zwillingen, von denen eines auf der Intensivstation behandelt werden musste. „Seither kann ich mich noch deutlich besser in das Gefühl der Eltern hineinversetzen.“

Viele schöne, aber auch traurige Geschichten

Neben vielen schönen Geschichten gab es natürlich auch einige traurige Momente, die Andrea Matzke alles andere als einfach losließen. Verläufe, die man im Krankenhaus nicht mehr entscheidend beeinflussen konnte. Schicksale, die man nicht so einfach beim Heimweg auf der Fähre nach Lemwerder auf der Bremer Weserseite lassen konnte, sondern die einen weiter beschäftigten und berührten.

Wie viele Kinder sie im Laufe der Jahre versorgt hat, weiß sie nicht. „Das habe ich nie gezählt. Das interessiert mich ehrlich gesagt auch nicht“, sagt Andrea Matzke. Viel wichtiger sind für sie immer die Kinder, um die sie sich gerade auf Station kümmerte. Und die größte Belohnung sei es, zu wissen, dass man dem Kind und seinen Eltern bei einem nicht ganz einfachen Start ins Familienleben entscheidend weiterhelfen konnte. Und das möchte sie in den nächsten Jahren noch viele Male erleben.

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